Kupfer
Kupfer boomt – Das neue Gold

Trotz eines Einbruches zu Beginn der letzten Wirtschaftskrise steigt die Nachfrage nach dem Rohstoff Kupfer seit Jahren konstant. Es gilt derzeit neben Aluminium als das wichtigste Nichteisenmetall. Dabei wird der Weltmarktpreis für Kupfer durch Börsenspekulationen und nicht zuletzt von Chinas ungebremster Nachfrage nach dem Rohstoff in die Höhe getrieben. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beziffert die jährlich geförderte Menge an Kupfer weltweit auf über 15 Millionen Tonnen. Die größten Vorkommen gibt es in Chile, Peru, den USA, Russland, Sambia (Kupfergürtel), Kanada und der Mongolei.

http://www.rp-online.de/bergischesland/leverkusen/nachrichten/Tonnenweise-Kupfer-geklaut_aid_556240.html


Kupfer in Afrika

Viele der Ökonomien Afrikas sind in großem Umfang von den Einnahmen ihrer Rohstoffexporte abhängig. Für einige afrikanische Wirtschaftssysteme ist dabei auch Kupfer ein wichtiger Rohstoff. Im Zentrum des südlichen Afrikas liegen die größten Reserven an Kupfer auf dem afrikanischen Kontinent. Vor allem in Sambia prägen der Kupferabbau und dessen Verhüttung die dortige Wirtschaft entscheidend. Der Staat gilt darüber hinaus als wichtigster Kupferförderer Zentralafrikas. Neben Simbabwe und der Demokratischen Republik Kongo gibt es auch in Südafrika und Namibia größere Kupfervorkommen. Der Abbau des Kupfers erfolgt sowohl in unterirdischen Stollen als auch im Tagebau.


Kupfer – das "Gold" Sambias

Film Sambia - begehrter KupfergürtelDer sambische Kupfergürtel in der gleichnamigen Region "Copperbelt Province" bildet gemeinsam mit der Nordwest-Provinz mit Zentrum Solwezi eine der größten Kupferreserven der Welt. Das Gebiet erstreckt sich von der Mitte des Landes, der „Central Province“ über den Nordwesten bis in den Kongo hinein. In diesem Gebiet wird das Hauptexportgut, und gleichzeitig wichtigste Wirtschaftsware, Sambias gefördert und abgebaut. Die im Jahr geförderte Menge Kupfer liegt in etwa bei 550.000 Tonnen. Kupfer macht rund 75 Prozent der sambischen Exporteinnahmen und einen großen Teil des Bruttoinlandproduktes aus. Während allerdings noch etwa 80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt sind und zum Großteil von der Subsistenzwirtschaft leben, entfallen nur etwa 14 Prozent auf den Bergbau.

Da die Nachfrage nach Kupfer beständig steigt, wirken sich die zunehmende Mechanisierung und Automatisierung der Abbauprozesse in einigen Bergwerken nur kaum auf die Zahl der in diesem Sektor Beschäftigten aus. Umso wichtiger ist es für Sambia, nicht als Verlierer der Rohstoffexporte dazustehen. Liegt es doch in der Logik der globalisierten Rohstoffindustrie, dass Gerät, Know-how und Fachkräfte als Input von außen und Rohstoffexport als Output von innen kommen. Einheimische und Umwelt bleiben Themen von sekundärer Wichtigkeit. Wachstum innerhalb dieses Systems überträgt sich dabei nur geringfügig nach draußen, indem ein paar einfache Zulieferdienstleistungen in Anspruch genommen werden. Demnach sind Steuern das einzige Mittel, als rohstoffreiches Land vom Boom mit zu profitieren und Wirtschaftsentwicklungen zu beschleunigen, die die eigene Armut bekämpfen. Zu diesem Zweck wurden die Steuern für Bergbauunternehmen und für die Bruttoexporterlöse angehoben. Wie stark Sambia vom Kupferexport abhängig ist, zeigten die Auswirkungen des Rückgangs der Kupferproduktion von 755.000 Tonnen 1969 auf 260.000 Tonnen 1999, die zu gesellschaftlichen und politischen Unruhen führten. Und auch die Weltwirtschaftskrise von 2009 führte zu zahlreichen Schließungen von Produktionsstätten und zur Entlassung von Arbeitskräften, was weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hatte. Um diese Probleme zu lösen, versucht Sambia unter anderem, aus der Abhängigkeit ausländischer Investoren zu entkommen. Der starke Einfluss Chinas, durch den das Land ehemals zu wirtschaftlichem Wachstum kam, traf Sambia während der Wirtschaftskrise, als die Investitionen zurückgingen.  

(Quelle: Andreas Kahler für gesichter-afrikas.de (März 2011))
Abbildung: © Deutsche Welle , zum Video "Sambia - Begehrter Kupfergürtel":
http://mediacenter.dw-world.de/german/video/#!/263199/Sambia_begehrter_Kupferg%C3%BCrtel


Kupfergürtel SambiaDie Regierung Sambias versucht seither ebenfalls die Abhängigkeit von den Erlösen der Kupferproduktion und damit von dem schwankenden Weltmarktpreis zu verringern, indem exportorientierte Landwirtschaft gefördert wird. Tabak und Schnittblumen könnten in dem wasserreichen Land ebenso gedeihen wie der Safari-, Natur- und Erlebnistourismus. Das würde neben dem Exportgut Kupfer ein weiteres wirtschaftliches Standbein bilden, was wiederrum auch in Kreisen der Regierung zu Auflockerungen führen könnte, da Entscheidungen verstärkt mit Blick auf das eigene Land anstatt auf die Interessen ausländischer Investoren gefallen werden könnten. Doch die Diversifizierung auszubauen, kostet Geld, welches in Sambia vor allem durch den Abbau von Kupfer verdient wird. Ein Teufelskreis, dem zu entkommen keine einfache Aufgabe ist. „Sobald der Kupferpreis hochklettert, ist jede Absicht, Tourismus, Landwirtschaft und wirtschaftliche Vielfalt zu fördern, gleich wieder vergessen“, kommentiert Mike Merritt, britischer Entwicklungsunternehmer in Sambia. Und der Kupferpreis steigt. Im Februar erreichte der Preis pro Tonne Rohmetall einen historischen Höhepunkt von 10.000 US-Dollar.

Die Kupferförderung bringt in Sambia auch viele Probleme mit sich. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt trotz fruchtbarer Böden und Bodenschätzen unterhalb des Existenzminimums und verfügt nicht in ausreichendem Maße über lebenswichtige Ressourcen wie sauberes Wasser oder sanitäre Versorgung. Die großen Bergbauunternehmen sorgen sich in Ermangelung notwendiger Gesetze wenig um Schäden an der Umwelt. Immer wieder werden Flüsse mit Schwermetallen verseucht, bedrohen Giftwolken aus der Erztrennung die Gesundheit der Bevölkerung und werden Wälder abgeholzt. In den Bergbaurevieren erleidet die Bevölkerung gravierende Technikfolgen, so auch in Mufulira und Kabwe, die zu den vergiftetesten Städten weltweit zählen. Luft, Wasser und Böden der beiden Minenstädte sind trotz der Schließung der Broken Hill Mine 1994 noch immer von Schwefelsäureabgasen verseucht.
Dabei besteht das Hauptproblem häufig weniger in fehlenden Bestimmungen, als vielmehr in der mangelhaften Umsetzung der Gesetze und Umweltauflagen seitens der Unternehmen. Natürliche Wasserläufe, aus denen die Landbevölkerung ihr Trinkwasser schöpft, werden mit Kupferrückständen verschmutzt, was negative Auswirkungen auf Mensch und Natur hat. Dazu kommt, dass die Voraussetzungen auf gesicherte Arbeitsbedingungen und Löhne für viele der Arbeiter unzureichend sind. Die wenigen Gewerkschaften, die im Bergbausektor zu finden sind, erscheinen im Vergleich zu europäischen Arbeiterorganisationen schwach. Kleine Fortschritte, wie die Aufstockung der „Mine Safety“ Abteilung im Bergbauministerium, sind jedoch durchaus zu verzeichnen.

Vielleicht bietet der Wettlauf der Industrienationen um die Rohstoffe Afrikas Sambia die Chance, endlich ausreichend vom Kupfer zu profitieren, um der eigenen Bevölkerung eine Perspektive abseits von Elend und Leid zu bieten. Die starke Nachfrage nach Rohstoffen, die sich insbesondere an dem enormen Engagement Chinas in Afrika zeigt, könnte einem Wandel der sambischen Wirtschaft in Richtung Diversifizierung jedoch ebenso gut im Wege stehen.

http://www.faz.net/s/RubC9401175958F4DE28E143E68888825F6/Doc~ECBA2FD14799A4DE99A13983E013CE05A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/05/08.mondeText.artikel,a0018.idx,18
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/ausland/paafr725.html
http://www.multiwatch.ch/cm_data/080420_Glencore_Kupfer.pdf

Video zum Thema: „Sambia – Was kommt nach dem Kupfer?“



Kupferrecycling

Das begehrte Metall Kupfer kann anstatt im Bergbau abgebaut zu werden auch aus recycelten Materialien gewonnen werden. Es besitzt die gleiche Qualität wie der Primärrohstoff. „Für ein kreislaufwirtschaftsgerechtes Kupferrecycling sorgen in Westeuropa Unternehmen mit umweltneutralen Prozesstechnologien und Recyclingwegen. Der Metallhandel erfasst die Altmetalle, bereitet sie auf und beliefert die Kupferhütten mit klassifizierten, sortengerechten Rohstoffen. Es existieren auch direkte Recyclingwege zwischen der Industrie und den Recyclinghütten.“ (Quelle: Wikipedia)
Jedoch führt die Wiedergewinnung von Kupfer in anderen Teilen der Welt auch zu großen Problemen. Jedes Jahr werden etwa 100.000 Tonnen Elektroschrott aus Deutschland in Drittweltländer verschoben. Ein Großteil davon landet in Ghana, wo Kinder und Jugendliche den Müll nach Wertstoffen durchsuchen – sie verbrennen u.a. Kabel, um daraus Kupfer zu gewinnen – und vergiften dabei sich selbst und ihre Umwelt.

Weitere Information dazu siehe:
Spiegel-Artikel "Eure Computer vergiften unsere Kinder"

Blog der Heinz-Kühn-Stiftung
„…dann bringen wir den Kram wieder zurück nach Deutschland“ » Kabelverbrennung zur Kupfergewinnung

Beitrag „Illegal, giftig und lukrativ“ Deutschlandfunk