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Erdöl - schwarzes Gold Der fossile Rohstoff Erdöl steht jedoch nicht in unbegrenztem Umfang zur Verfügung und der Vorrat wird Mitte des 21. Jahrhunderts zur Neige gehen. Der Mensch verbrauchte in den vergangenen 200 Jahren die natürlichen Ressourcen, die sich in 200 Millionen Jahren gebildet haben. Der Preis pro Barrel (1 bbl. = 159 Liter) wird steigen, was einen direkten Einfluss auf die Wirtschaft nach sich ziehen wird. Denn der weltweite Handel und die internationalen Transportwege sind in großem Maße von der Ressource Erdöl abhängig. Vgl. EPIZ-Globales Lernen in Berlin: Erdöl-ein umstrittener Energielieferant ![]() weltweite Ölreserven, Stand: 2005 Erdöl in Afrika Die Erdölproduktion Afrikas konzentriert sich vornehmlich auf die nordafrikanischen Länder Algerien und Libyen. Doch auch in den Ländern am Golf von Guinea einer Region, die sich im Osten des Kontinents von der Elfenbeinküste bis Angola erstreckt, findet ein regelrechter „Erdölboom“ statt. Jährlich siedeln sich dort neue internationale, private und staatliche Erdölkonzerne aus den Vereinigten Staaten, Europa und Asien an. Insgesamt besitzt Afrika rund ein Zehntel der weltweit nachgewiesenen Erdölreserven. Demnach ist es kaum erstaunlich, dass Erdöl mit einem Anteil von 42 Prozent an allen gesamtafrikanischen Exporten das wichtigste Exportprodukt Afrikas ist. Die USA beispielsweise beziehen 23 Prozent ihrer Ölimporte aus Afrika, Deutschland etwa 17 Prozent. Aufgrund der großen Erdölvorkommen in Afrika nimmt der internationale Ansturm auf das dortige Erdöl weiter zu.
Zu den wichtigsten Ölförderländern Afrikas zählen Angola, Libyen, Nigeria, Algerien, Gabun und Ägypten sowie der Sudan. Zudem wurde 2010 mit der Förderung der Ölvorkommen vor der Küste Ghanas begonnen. Auch in Mauretanien wurden größere Ölvorkommen entdeckt. Die Produktion in Mauretanien beläuft sich auf rund 7.500 Barrel Erdöl pro Tag. Im Vergleich dazu sind es in Libyen rund 1.845.000 Barrel pro Tag. Dort befinden sich mit über 35 Prozent auch die größten Ölreserven Afrikas. Im Kongo und seit einigen Jahren im Tschad und Kamerun spielt die Erdölproduktion ebenfalls eine tragende Rolle in der Wirtschaft der Länder. Zu der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) gehören gegenwärtig die afrikanischen Länder Algerien, Angola, Libyen und Nigeria. Gemeinsam mit den restlichen acht OPEC-Mitgliedstaaten in Südamerika und dem Nahen Osten fördern die afrikanischen Staaten etwa 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion und verfügen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven. Afrikas Öl richtig genutzt? Auch im Fall des „schwarzen Goldes“ stellt sich die Frage, ob sich der Ressourcenreichtum für die jeweiligen Länder als Segen herauszustellen vermag und inwiefern der „Erdölboom“ den Menschen der Regionen zugutekommt. Nigeria fördert seit Mitte der 1950er Jahre Erdöl. Lange galt das Land als der führende Erdölproduzent Subsahara-Afrikas und stand 1976 auf der weltweiten Rangliste an siebenter Stelle. 2009 rückten die Westafrikaner sogar auf den sechsten Rang vor. Verschiedene Faktoren führten jedoch dazu, dass die nigerianische Erdölproduktion zurückging. Zum einen kam es zu regelmäßigen Auseinandersetzungen mit Rebellengruppen, die u.a. eine Beteiligung an den Erträgen aus dem Rohstoffgeschäft forderten.
Zum anderen reagierte die Zivilbevölkerung des Nigerdeltas auf die Verseuchung ehemals fischreicher Gewässer und die Zerstörung von Mangrovenwäldern und Ackerland mit der Besetzung von Pumpstationen und Anschlägen auf Pipelines, die sie teilweise auch anzapften. Nachdem es 1993 im Ogoniland zu Widerständen kam, die durch den nigerianischen Bürgerrechtler Ken Saro Wiwa angeführt wurden, wurde die Produktion dort stillgelegt. Die Region der Ogonis gilt als eine der durch Erdöl am stärksten verschmutzten Gegenden der Welt. Die Sicherheitsstandards im Nigerdelta sind oftmals sehr niedrig. Beispielsweise werden Lecks in Pipelines mitunter nicht sorgsam repariert, sodass Öl ins Wasser abfließen kann. Obwohl die Bevölkerung es geschafft hat, dass die Ölfelder im Ogoniland brach liegen, sind die Ausmaße der Umweltschäden, die durch das mit Öl verseuchte Wasser entstanden sind, enorm. Weitläufige Teile der ehemaligen Flora und Fauna scheinen unwiderruflich zerstört. Dennoch werden die nigerianischen Einnahmen der vergangenen 30 Jahre durch die Erdölförderung auf rund 280 Milliarden US-Dollar geschätzt. Trotz dieser enormen Einnahmen zählt Nigeria nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt. Milliarden der sogenannten „Petrodollars“ aus der Erdölförderung sind dem Land im Laufe der Jahre durch Korruption und Geldwäschemechanismen abhanden gekommen. Diese Gelder fehlen, um die Entwicklung des Landes weiter voranzutreiben. Darüber hinaus hat die Erdölförderung große ökologische Schäden angerichtet und löst auch immer wieder gewalttätige Konflikte unter den Bewohnern aus. Nigeria scheint heute ärmer als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. ![]() Ölpipeline in Nigera Weitere Beispiele sind in diesem Zusammenhang Länder wie der Tschad oder Angola. Letzteres hat Nigeria mittlerweile überholt und ist nun der größte Erdölproduzent im subsaharischen Afrika. Nach dem 27-jährigen Bürgerkrieg in Angola, der 2002 endete und durch die Einnahmen der Ressourcen Erdöl und Diamanten zu nicht unwesentlichen Teilen mitfinanziert wurde, erholt sich das Land langsam von den Folgen. Der Rohstoffreichtum kann einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes leisten. Allein im Jahr 2005 konnte Angola über zehn Milliarden US-Dollar an Erdöleinnahmen verzeichnen. Ein massives Problem stellt allerdings noch die Korruption dar, da jährlich ein großer Teil der Erdöleinnahmen verschwindet. Dabei werden diese Gelder dringend benötigt, um humanitären Problemen, wie Armut und der hohen Kindersterblichkeitsrate des Landes entgegenzuwirken. In den 1970er Jahren entdeckte man Ölvorkommen im südlichen Tschad, der landwirtschaftlich produktivsten Region des Landes. Im Jahr 2000 begann der Bau einer Pipeline, die 2003 zur Ölförderung in Betrieb genommen wurde. Über die mehr als 1000 km lange, unterirdische „Tschad-Kamerun-Pipeline“ wird seitdem das Öl von den Ölfeldern im Doba-Becken des südlichen Tschad quer durch Kamerun zur Atlantikküste befördert. Diese Pipeline verläuft parallel zu den großen Flüssen Kameruns, quer durch das Lebensgebiet der Pygmäen, die in den Urwäldern Kameruns leben. Vor dem Küstenort Kribi endet sie im Meer an einer schwimmenden Verladestation im Golf von Guinea. Über Tanker wird das Öl hier verschifft. Rund 200.000 Barrel Öl werden pro Tag durch die Pipeline transportiert. Die Einnahmen aus der Förderung des Erdöls sollen gemäß einer Vereinbarung der Regierung mit der Weltbank zu 80 % für Projekte im Bereich des Sozialen und der Infrastruktur verwendet werden und somit der gesamten Bevölkerung zugutekommen. Doch die Erdölförderung hat der Bevölkerung nur wenig Entwicklung gebracht. Die zunächst vorgesehenen Vereinbarungen zur Verwendung des Geldes wurden seitens der Regierung nicht eingehalten. Die Weltbank, die als Bürge für eine ordnungsgemäße Durchführung fungierte, stieg aus dem Projekt aus. Stattdessen plagt sich das Land mit massiven Negativkonsequenzen für die Umwelt, die die Ölförderung mit sich gebracht hat. So wurden in Kamerun Teile des Urwaldes von der Pipelinetrasse zerstört und im Tschad fiel der Ölindustrie fruchtbares Ackerland zum Opfer.
http://www.erdoel-tschad.de/index.php?option=com_content&task=view&id=63&Itemid=34 Links/ Materialien: Ausstellung Ölbiografien Die Ausstellung ‚Ölbiographien‘ umfasst zwölf Einzelporträts von Menschen in der tschadischen Erdölregion Doba. In der Republik Kongo stellen die Erdöleinnahmen längst die wichtigste Einnahmequelle des Landes dar. Trotz des beträchtlichen Reichtums an Erdöl ist der Kongo durch Massenarbeitslosigkeit, Armut und eine hohe Auslandsverschuldung gekennzeichnet. Eine Erklärung hierfür sind die Bürgerkriege zwischen Regierungs- und Rebellenmilizen, die das Land in den 1990er Jahren beherrschten und bei denen unterschwellig immer auch die Verteilung des Erdölreichtums des Landes eine Rolle spielte. Zudem ist Korruption und wirtschaftliches Missmanagement auch in der Republik Kongo ein großes Problem. Hierdurch verschwinden große Summen aus dem Erdölsektor ohne der Bevölkerung zugute zu kommen. Auch in anderen Ländern, wie Kamerun oder dem Sudan bleibt die Problematik stets dieselbe: Trotz des Erdölreichtums gehören die Länder Subsahara-Afrikas zu den ärmsten der Welt. Hinzu kommt, dass durch die Ölförderung und die damit zusammenhängende Korruption und ungerechte Gewinnverteilung bereits vorhandene, nationale und internationale Konflikte vertieft oder verlängert wurden. Zudem ist das Engagement für eine umwelt- und sozialverträglichere Ölförderung in einigen Staaten wie z.B. Angola oder der Republik Kongo nicht ungefährlich und die Aktivist/innen sind z.T. Repressionen ausgesetzt. ![]() Ölraffinerie Neuentdeckung in Ghana In Ghana ist die Situation etwas weniger gravierend. Bereits unter britischer Herrschaft wurde Ghana die Goldküste genannt, was Ausdruck seiner großen Goldvorkommen war. Noch heute ist Ghana einer der wichtigsten Goldproduzenten, daneben werden inzwischen auch andere Rohstoffe wie beispielsweise Kupfer gefördert und seit Neuestem ist Ghana auch ein erdölproduzierendes Land. Erdöl in abbaubaren Mengen wurde 2007 vor der ghanaischen Küste entdeckt und bereits im Dezember 2010 lief die Rohölförderung an. Verglichen mit den anderen Staaten der westafrikanischen Region ist Ghana relativ stabil. Trotzdem ist es ein armes Land. Fast 80% der Bevölkerung leben von weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Die Haupteinnahmequellen sind Primärprodukte wie Gold, Holz oder Kakao. Im Land selber wird allerdings kaum eines dieser Produkte weiterverarbeitet. Daher ist die Entdeckung des Erdöls eine positive Nachricht für das Land. Die Regierung hofft mit den zusätzlichen Einnahmen, die Milleniumsentwicklungsziele 2015 zu erreichen, und gleichzeitig die Wirtschaft weiter diversifizieren zu können. Höchstwahrscheinlich sind die Voraussetzungen in Ghana dafür besser als in anderen Ländern der Region. Trotzdem mischt sich in Ghana die Hoffnung auf Verbesserungen durch die Ölförderung mit den Befürchtungen vor Preisanstiegen, Korruption und Profitgier. Es besteht die Gefahr, dass der Erdölboom Korruption und wirtschaftliche Fehlentwicklungen begünstigt. Die Erdölunternehmen haben mit großem Interesse auf die Entdeckung des Erdölfelds „Jubilee“ 2007 reagiert. Außerdem weckte die seit langem größte Neuentdeckung Hoffnungen auf weitere Erdölfelder vor der Küste. Für 2011 soll die Produktion 120.000 Barrel pro Tag betragen. Gefördert wird das Erdöl von einem Firmenkonsortium bestehend aus Tullow Oil plc (34.70%), Anadarko Petroleum Corp (23.49%), Kosmos Energy (23.49%), das nationale ghanaische Erdölunternehmen Ghana National Petroleum Corporation - GNPC (13.75%), Sabre Oil and Gas (2.81%) und E.O. Group (1.75%). Mit dem Beginn der Erdölproduktion und im Vorfeld der nächsten Wahlen 2012 richten sich viele Augen auf Ghana. Man fragt sich, ob die Fehler anderer rohstoffreicher Länder wie Nigeria oder dem Tschad vermieden werden können, in denen Erdöleinnahmen Korruption befördert und autoritäre Machtstrukturen gefestigt haben. Auch die Ereignisse im Golf von Mexiko im Jahr 2010 erinnern an die Probleme, die in Verbindung mit der Erdölförderung einhergehen können. Die zum Teil schwer kalkulierbaren Umweltrisiken und verheerenden Konsequenzen, sind Risiken, die bei der Förderung von Erdöl einkalkuliert werden müssen. Nigeria und Angola sind Negativbeispiele, bei denen der Großteil der Bevölkerung nicht vom „schwarzen Gold“ profitiert. Um dem entgegenzuwirken will die Regierung in Accra eine gesetzliche Verfügung über die Verwendung der „Ölgelder“ vorstellen, zu der die Bürger des Landes ihre Vorschläge einbringen können. Auch wenn dieses Gesetz eine hinreichende Beteiligung einheimischer Firmen und Unternehmen gewährleisten soll, haben sich bisher ausländische Firmen einen Großteil der Lizenzrechte gesichert. So teilen sich in diesem Fall die Meinungen, ob und in welchem Umfang das Land letztlich von den Rohstoffgewinnen profitieren kann. „Mehr Transparenz für mehr Entwicklung“ Broschüre von Brot für die Welt, Misereor und Global Policy Forum Europe Informationen über Transparenz im Erdöl- und Bergbausektor Filme zum Thema: Fortschritte im Kampf gegen die Korruption Die Initiative Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) wurde 2003 im Anschluss an den Weltwirtschaftsgipfel in Évian-les-Bains ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, zur Verbesserung der Transparenz in der Rohstoffindustrie beizutragen, die Korruption in Entwicklungsländern mit großem Rohstoffreichtum zu bekämpfen und die sogenannte „Good Governance“ zu unterstützen. Im Einzelnen bedeutet dies, dass die Zahlungen der rohstofffördernden Unternehmen an den Staat und die Verwendung dieser Gelder transparent und öffentlich gemacht werden. 2008 wurden die Ziele von EITI offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt. Unter den afrikanischen Ländern erfüllten 2011 Ghana, Liberia, Nigeria, Niger und die Zentral Afrikanische Republik die vorgegebenen Rahmenbedingungen. In Zukunft soll durch diese Kontrollinstanz gewährleistet werden, dass die Gelder aus dem Rohstoffhandel auch tatsächlich zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, der Infrastruktur und der Lebensbedingungen der Bevölkerung in den rohstofffördernden Ländern beiträgt und nicht, wie so oft berichtet, in den Taschen einiger Weniger oder Projekten von geringer gesamtgesellschaftlicher Relevanz landen. Neben der Initiative EITI gibt es andere Kampagnen wie „Publish What You Pay“, die auf die Offenlegungspflicht von Unternehmen pochen, um Korruption zu bekämpfen. Durch den Beitritt zu solchen Organisationen hebt sich dementsprechend auch die Attraktivität der betroffenen, als korrupt geltenden Länder für ausländische Investoren. |





