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Coltan – Der (Roh-) Stoff, aus dem das Handy ist Coltan ist der Rohstoff aus dem das Metall Tantal gewonnen wird. Der Wirtschaftsname Coltan kürzt den Namen des Columbit-Tantalit-Erzgemisches ab, das in der Natur vorkommt. Benutzt wird das Metall beispielsweise in der Raumfahrtindustrie, der Solarbranche, der Automobilherstellung sowie in der Computer- und Kommunikationstechnologie. Außerdem findet es bei der Produktion von Digitalkameras, Spielekonsolen, Laptops und weiteren kleinen Kondensatoren in der Mikroelektronik Verwendung. Besonders die Produzenten von Handys fallen seit Jahren immer wieder negativ durch die Verwendung von Coltan, das zur Finanzierung des kongolesischen Bürgerkriegs beiträgt, auf. Jährlich werden knapp 2000 Tonnen des Erzes gefördert. (Quellen: http://www.umweltberatung.at/start.asp?ID=14939&b=3217 , http://www.geolinde.musin.de/afrika/html/afr_coltan_medico.htm , http://www.stern.de/digital/telefon/umkaempftes-coltan-der-stoff-aus-dem-die-handys-sind-1551021.html ) Der Coltan-Abbau in Afrika Wichtige Coltanlagerstätten befinden sich in Zentralafrika, Australien, Brasilien und Kanada. Der Coltanabbau in Zentralafrika konzentriert sich auf die Kivusee-Region, die im Osten der Demokratischen Republik Kongo liegt. Neben Coltan hat der Kongo eine Vielzahl weiterer natürlicher Ressourcen im Land, wie Kupfererz, Gold, Silber, Erdöl und Diamanten. Das Gebiet rund um den Kivusee im Kongo gehört zu den Hauptförderländern von Coltan. Häufig ist der dort zu findende Rohstoff mit radioaktiven Elementen und Zinnerzen versetzt. Allein 2008 wurden dort 383 Tonnen des Minerals gefördert. Das entspricht etwa einem Drittel aller Erzeugnisse. Noch immer sollen sich etwa 80% des weltweit vorhandenen Coltans im Boden des zentralafrikanischen Staates befinden, was dessen Bedeutung für westliche Produktionsfirmen verschiedenster technischer Produkte vergrößert. Konflikte durch den Rohstoff Coltan Der Abbau des Rohstoffes Coltan führt zu erheblichen Konflikten im politischen und gesellschaftlichen Bereich. Entgegen der Erwartung, dass sich durch den Rohstoffreichtum des Landes auch die Lebensbedingungen der Bevölkerung des Kongos verbessern würden, erreichen die Erträge nur selten die gewünschten Adressaten. Vielmehr fließen die Einnahmen des internationalen Exports der sogenannten Konfliktmineralien aus dem Osten des Landes in die Hände der Rebellen, die den 1997 ausgebrochenen Bürgerkrieg dadurch finanzieren. Im Rahmen der Förderung von Coltans treten neben dem Bürgerkrieg auch andere Begleiterscheinungen auf. Zwangsarbeit, Landraub und Kinderarbeit sind Themen, die Hand in Hand mit dem Coltanabbau in der Demokratischen Republik Kongo gehen. In den letzten 15 Jahren starben durch die Rebellen, die vor allem die Ostküste Kongos kontrollieren, mehr als fünf Millionen Menschen. International kam es in den vergangenen Jahren vermehrt zum Aufruf, den Import von Coltan aus dem Kongo und den benachbarten Ländern Uganda und Ruanda zu verbieten, um die Finanzierung und somit den Bürgerkrieg zu stoppen. Obwohl Uganda und Ruanda keine eigenen Vorkommen an Coltan haben, exportierte Ruanda 1998 über 250 Tonnen des Rohstoffes. Dies verdeutlicht, dass die Nachbarstaaten des Kongo sich an der unorganisierten Situation des Landes bereichern. Die Kontrolle und Ausbeutung von Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt und Coltan spielen in diesem Krieg somit eine tragende Rolle. (Quellen: http://www.geolinde.musin.de/afrika/html/afr_coltan_medico.htm , http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1244242,day=1,week=7,year=2011.html) ![]() Copyright: Gisela Breuer, Die Zeit, Quelle: http://www.e-globalisierung.org/kapitel1/4/kongo_karte.gif Um dem Bürgerkrieg schrittweise entgegen wirken zu können, entwickelt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover einen „Fingerabdruck“, um einen Herkunftsnachweis für Coltan zu bekommen. Dabei sammelt die Bundesanstalt Coltanproben aus Lagerstätten und fasst die Zusammensetzung dieser Proben in einer Datenbank zusammen. Somit könnte vermieden werden, dass der Rohstoff weiterhin aus der Krisenregion im Kongo bezogen wird, da über dieses Verfahren die Ursprungsmine ermittelt werden kann. Allerdings ist die Beschaffung der Proben nicht immer leicht und der Zugang zu einigen Minen durch die Besetzung der Rebellen erschwert. Frank Melcher, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover: "Das reicht nicht aus, weil wir von Minen, die von Rebellen kontrolliert werden, diese Rückstell-Proben nicht haben. Wir können aber in sehr, sehr vielen Fällen eine Mischung aus dem Kongo, aus Ruanda oder Kongo und Mosambik feststellen. Wir können also Kongo-Material isolieren. Wir können nicht genau sagen, aus welcher Region im Kongo, wenn uns diese Standards fehlen." (http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,bx7hu3jz1q7i7828~cm.asp) Mit dem beschriebenen Verfahren ließe sich im Idealfall die Produktion mit „Blut-Coltan“ vermeiden. Des Weiteren sollte angestrebt werden, die Förderung von Coltan in Australien und Brasilien zu steigern, auch wenn der Preis für den Rohstoff fast doppelt so teuer ist, wie in Afrika. Dafür findet der Abbau von Coltan in den Minen in Australien und Brasilien unter kontrollierten Bedingungen statt. Mit dem Entschluss wichtiger Großkonzerne, nur noch Erze aus Australien und Brasilien zu beziehen, würde eine wichtige Einnahmequelle der Rebellen im Kongo wegfallen. Auf der anderen Seite spricht gegen einen kompletten Boykott, dass viele der Familien im Kongo in ihrem Einkommen vom Export der Rohstoffe abhängig sind. Ein Schritt in die richtige Richtung für Konsument/innen: Es besteht die Möglichkeit, sich bei Mobil-Konzernen zu informieren und dort nachzufragen, ob das eigene Mobiltelefon Coltan enthält. Wer nicht auf das Handy verzichten, dennoch dem Bürgerkrieg entgegenwirken will, der sollte sich nicht jährlich ein neues Gerät kaufen: http://www.umweltberatung.at/start.asp?ID=14939&b=3217 (Quellen: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/309589.html Coltan-Fingerprint der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ) Neben den Auswirkungen des Rohstoffabbaus und -handels auf der politischen Ebene des Bürgerkriegs im Kongo, bringt der Abbau des Rohstoffes Coltan auch andere Probleme beispielsweise im Zusammenhang mit der Umwelt mit sich. Zum einen erreicht das Geld aus dem Verkauf des Rohstoffes nur selten die Arbeiter, die das Erz fördern. Sie müssen sehr oft unter schwierigen Bedingungen in schlecht gesicherten Minen arbeiten. Zum anderen wird durch die Gewinnung des Erzes die Natur beschädigt, was z.T. schwerwiegende soziale und ökologische Folgen mit sich bringt. So werden z.B. kleinere und mittlere Bäche umgeleitet, um mit Hilfe des Wassers Erz aus herausgehauenem Grubengestein zu filtern. Dies erhöht die Gefahr der Erosion und verursacht zudem Störungen in der Gewässerökologie und die Verschmutzung der Bäche. Eine weitere gravierende Konsequenz ist die Zerstörung von nicht wiederherstellbaren Waldgebieten, die gleichzeitig Lebensräume für Gorillas darstellen. Der Artenreichtum an Tieren hat längst nachgelassen. Die Grauer-Gorillas, sowie auch die Berggorillas sind stark bedroht. Da die Nachfrage nach Coltan stetig wächst, stoßen die Bergarbeiter immer weiter in die Rückzugsgebiete der Gorillas vor und zerstören somit deren Lebensraum. Gerade im Kahuzi-Biega-Nationalpark wurde im Jahr 2001 etwa die Hälfte des Bestandes der Grauer-Gorillas getötet. Neben der Zerstörung ihres Lebensraumes wird aber auch Jagd auf die Menschenaffen selbst gemacht, da sie zur Fleischversorgung für die Minenarbeiter dienen. (Quellen: http://www.entwicklungspolitik-online.de/index.php?option=com_content&view=article&id=5720:neuer-coltan-boom-bedroht-gorillas-im-kongo&catid=99:topnews , Mehlmann, P. T.; Steklis, H. D.; Stoinski, T. S. (2008): Conservation in the 21st Century. Gorillas as a Case Study. New York.) Mehr Infos zum Thema: Film „Blood in the mobile“: Der Däne Frank Piasecki Poulsen zeigt in seinem Film „Blutige Handys“ die Auswirkungen des illegalen Rohstoffabbaus in der Demokratischen Republik Kongo auf. Zudem verweist der Film auf die Verknüpfungen mit den westlichen Industriestaaten und -konzernen und die Handlungsoptionen und Verantwortungen jedes Einzelnen. Trailer zum Film Radiobeitrag „Sauberes Coltan, schmutziges Coltan“ der Deutschen Welle: Kein Blut am Handy; Deutsche Wissenschaftler entwickeln Methode, sauberes Coltan herzustellen, um die illegale Förderung im Kongo und die damit einhergehende Unterstützung des Bürgerkriegs zu umgehen.
Sendung: 21.08.2010, mp3-Download |



