Sambia Blog
Andreas Kahler 

bloggt ab Juli 2011 erneut aus Sambia - diesmal von einer journalistischen Recherche zu den jüngsten Entwicklungen im Bergbausektor. So besucht er zum Beispiel das neueste Eine-Milliarden-Dollar-Projekt, das im Nordwesten über die kongolesische Grenze hinweg gleich drei Minen auf einmal umfasst. Grenzen überschreitet der Tagebergbau dabei auch in anderer Hinsicht: Während Deutschland zuletzt den Atomausstieg besiegelt hat, stehen die Zeichen dort ganz auf Anfang: So wird Andreas Kahler in Malawi und Sambia den Einstieg in den Uranabbau unter die Lupe nehmen: Was für Aus- oder Nebenwirkungen sind absehbar? Wie geht man mit Profit oder Risiken um?

Seine entwicklungspolitische Recherchereise schlieĂźt an mehrere Beratereinsätze an (u.a. fĂĽr das "Center for Trade Policy and Development"  (http://cstnz.co.zm)), von denen er vergangenes Jahr an dieser Stelle fĂĽr uns schrieb.

Andreas Kahler lebte vor seinen Sambia-Einsätzen in Berlin und NRW. Tätig war er zuvor als Journalist und Bildungsmanager.




01/10/11 - "Yes, a better Zambia for all!"? - Neuer Präsident macht Ausländer nervös

Nach dem Sieg Michael Satas bei den Präsidentschaftswahlen in Sambia fürchten Beobachter einschneidende Veränderungen. Für Investoren aus dem Ausland besteht Grund zur Sorge, doch für das Land selbst ergeben sich große Chancen.
Entgegen ausländischen Prognosen, etwa der "Economist Intelligence Agentur", siegte der Oppositionspolitiker mit der Partei, die ein kleines Paddelboot im Logo führt, dank einer geradezu subversiven Wahlkampftaktik.
Michael Sata, Patriotic Front
"Pst, nicht weitersagen!", hatte Michael Sata seine Anhängerschaft etwa durch Zeitungsanzeigen beschworen; den Zeigefinger vor den Lippen und lächelnd voller Ironie. Gemeint war das Gegenteil, und die "Patriotic Front" (PF) setzte, mangels Ressourcen, buchstäblich auf Mundpropaganda: Man sollte ruhig vordergründig die Geschenke der regierenden MMD einstreichen, aber am Ende natürlich PF wählen gehen!
Egal, wie viele Fahrräder, Mehlsäcke oder auch Bargeld Rupiah Banda verschenken ließ - Satas Clou ist offenbar aufgegangen. Heimlich still und leise gelang es Sata, die nötigen Mehrheiten auf seine Seite zu ziehen. Im Nachhinhein wird klar, dass die MMD-Wimpel schwingenden Taxifahrer in der Hauptstadt Lusaka und andernorts sich tatsächlich einen Jux aus der Nutzung der MMD-Geschenke gemacht und in Wahrheit augenzwinkernd PF-Werbung betrieben hatten!
So schwer kalkulierbar sein Wahlsieg sich indes erwies, so wenig berechenbar nimmt sich nun sein Verhalten als Präsident aus - zumindest für Nichtsambier. Sambier, die wir vor den Wahlen sprachen, zeigten sich absolut sicher über seinen anstehenden Sieg - und die sambischen Freudentänze nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse am 23. September, 00:30 Uhr, zeugen von nichts als Zuversicht und Genugtuung. Die Menschen gingen in jener Nacht auf die Straßen, sangen alte PF-Lieder, fuhren hupend durch die Städte.

Dass sie und ihr Land nach zwanzig Jahren MMD-Herrschaft eine neue Chance bekommen, freut die allermeisten. Überdrüßig war man zuletzt der Arroganz der Regierung, allzu sicher auch, dass die von Satas Vorgänger Rupiah Banda eingeschlagene Investoren-freundliche Wirtschaftspolitik kaum jemals der Mehrheit der Sambier selbst nutzen würde.
"King Cobra" ist lernfähig
Freilich darf man skeptisch bleiben, ob Satas Schwenk in der Regierungspolitik Besserungen bringt. Nicht grundlos verlor die Landeswährung Kwascha unmittelbar nach Auszählung der Stimmen deutlich an Wert - nachdem schon der Kupferpreis um fast 30 Prozent gefallen war, dies natürlich eher zufällig. "King Cobra", wie er sich seit langem nennen lässt, ist nun einmal ein unsteter Geist, allzu oft hat er in der Vergangenheit binnen kurzer Zeit seine Standpunkte oftmals ins Gegenteil verändert. Beispielsweise, 2010, in der Frage der "Windfall Tax".
Und im Wahlkampf schimpfte er zunächst, gewohnt national-populistisch, auf die Chinesen, um sodann, als habe er Kreide gegessen, mitzuteilen, grundsätzlich nichts gegen ausländische Investoren zu haben. Arbeitsplätze für Sambia zu schaffen ist eben nichts, was über Nacht im Präsidentenpalast machbar wäre.
Stabile Perspektiven in Lusaka
Meines Erachtens ist der Machtwechsel in jedem Falle ein Sieg für Sambias Demokratie: Ein so friedlicher reibungsloser MMD-Abgang nach 20 Jahren im Anschluss an eine wider Erwarten insgesamt sehr friedlichen Wahl ist eine ermutigende Leistung der Präsidial-Republik am Sambesi.
Volkswirtschaftlich könnten sich zwar die Erfolge kurzfristig eintrüben, weil Investoren einen Schrecken bekommen haben und neue Projekte zurückstellen mögen. Andererseits wird die ökonomische Entwicklung zeigen, wie stabil die zentralen Institutionen, wie verlässlich die Technokraten von Lusaka mittlerweile sind.
Sata ist lernfähig - trotz seines hohen Alteres von 74 Jahren. Entscheidend wird sein, dass alle gesellschaftlichen Kräfte die neugewonnene Freiheit nutzen, um zu nachhaltigen Antworten auf die vielen Probleme des Landes zu kommen, die ja bei Weitem nicht allein wirtschaftlicher Natur sind.
Homepage der Patriotic Front:  http://www.patriotic-front.com/


11/08/11 - Schweizer Rohstoffgigant schluckt Kabwe


Auf Pilottour fĂĽr einen deutschen Reiseveranstalter, legen wir in Kabwe einen Zwischenhalt ein, um noch mehr Landesgeschichte in Augenschein zu nehmen. Broken Hill, wie die Stadt einst hieĂź, benannt nach der gleichnamigen Erzfundstätte in Australien, ist Synonym fĂĽr Geschichte: Spuren der Kolonialepoche, Verstädterung und Industrialisierung - alles, was Sambias Copperbelt ausmacht lässt sich hier finden, wo das Herz der Zentralprovinz schlägt. (Leider auch schädlichste Schwermetallspuren im Boden.) Ein FrĂĽher Fund war das Skelett des vorgeschichtlichen „Broken Hill Man"  im Jahre1921.
Wir besuchen mit den Reisegästen das alte Bahnhofsgebäude, unweit des Hauptsitzes des „Zambian Railway System", den „Big Tree", historischer Versammlungsort aus vorkolonialen Tagen, sowie das alte Bergbaurevier der Kleinstadt. Dort erlebt unsere Reisegruppe jedoch nicht nur Historisches, vielmehr den schnellen Puls der Gegenwart.

Inmitten runtergekommener FördertĂĽrme, ausrangierter Fahrzeuge und teils eingefallener Werkhallen von „Sabel Zink Kabwe", die in der Tat eher wie  Ruinen vergangener Glanzzeiten aussehen, kommt die Gruppe,  nachdem wir mehrere Tore und GĂĽterbahngleise ĂĽberquert haben, vor einer niedrigen Baracke an - dem BehelfsbĂĽro der Minenleitung. Sambische Arbeiter sagen uns, wir könnten als Touristen nicht einfach ĂĽber das Gelände laufen - aber vielleicht wĂĽrde uns ja der neue, amtierende Direktor empfangen?
Und dann, nach einigen Minuten, kam er wirklich zu uns nach draußen: ein stämmiger Mann, Anfang 60, vermutlich Australier. Er sagt, warum er uns nichts sagt: Die Mine sei nämlich soeben von Glencore übernommen worden, und da müsse er erst eine Anweisung aus Zug in der Schweiz abwarten, wie man mit Besuchern wie uns zu verkehren habe.
So schluckte der Schweizer Rohstoffgigant nun also auch Kabwe. Und das Bild, wie der internationale Glencore-Manager in Kabwe aus der winzigen Baracke tritt, passt einfach.
Denn dafĂĽr, dass Glencores Umsatz inzwischen alle anderen Unternehmen der Schweiz ĂĽbertroffen hat, ist es ein sehr versteckter Riese und global player, und tendiert das Wissen um ihn nicht nur im Alpennachbarland gen Null.
An Glencore liegt es beispielsweise, dass das meiste Kupfer aus Sambia in die Schweiz exportiert wird. Freilich nur auf dem Papier; das bringt etwa steuerliche Vorteile im Rohstoffgeschäft.
Steuervermeidungspraktiken waren es kürzlich ebenfalls, die dem Rohstoffkonzern wegen seiner sambischen Mopani-Mine (Mufulira) eine Menge negativer Presse einbrachten. Auch das Brüsseler Parlament hat sich mittlerweile der Streitsache kritisch angenommen, weil Glencore sogar Entwicklungshilfe-bezogene Kredite der Europäischen Investitionsbank in Mufulira genutzt hat.

http://en.wikipedia.org/wiki/Kabwe_skull


http://steuergerechtigkeit.blogspot.com/2011/04/oecd-beschwerde-gegen-glencores.html

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=f43a8bae-54f7-4975-80f0-411829713846

EiB
http://online.wsj.com/article/SB10001424052702303745304576359353636328280.html



20/07/11 - Chief Mumena besorgt um Umwelt


„Sambia steht nicht zum Verkauf!" - Entschieden wendet sich der Chief gegen einen drohenden Ausverkauf des ressourcenreichen Landes. Der traditionelle Führer der Kaonde genießt hohes Ansehen, auch über die Grenzen seines eigenen Volkes hinaus. Wie wenige andere Chiefs versteht Mumena es, altes Kulturerbe und kritisches Denken in Einklang zu bringen. Er ist traditionsbewusster Stammesfürst und weltgewandter Intellektueller in einer Person.
Auf meiner Recherchefahrt nach Nordwesten war mir Mumenas Warnung vor der wĂĽst um sich greifenden Abholzung wieder eingefallen, die er vor gut zwei Jahren auf einem Stakeholder-Forum ausgerufen hatte - wie ein einsamer Rufer in der Ă–ko-WĂĽste. Umweltschutz ist in Sambia ein noch sehr neues Thema.
An dieses Thema knüpfe ich an, als ich den Chief treffe, und bringe es in Verbindung mit dem gegenwärtigen Wachstumsboom im Bergbausektor der Provinz. Nachdrücklich weist Mumena auf die ökosozialen Wechselwirkungen hin zwischen Schutz von Wald und Wasser sowie den Lebensgrundlagen der stetig wachsenden Bevölkerung und Wirtschaft. Das Territorium (chief land) der Kaonde, noch mehr dessen Umland haben als Quellgebiet des Sambesis eine vitale Bedeutung auch für die Ökosysteme der Nachbarn Angola, Kongo, Mosambik, Simbabwe.
Schließlich ruft der oberste Kaonde, der bis vor zwei Jahren dem House of Chiefs vorstand, alle Akteure und insbesondere die die Lumwana-Minen betreibende Gesellschaft dazu auf, mit voller Kraft zu Werke zu gehen und endlich mit den überfälligen Aufforstungen zu beginnen. Letzteres hat deshalb eine pikante Geschmacksnote, weil auf der Visitenkarte seiner königlichen Hoheit nach wie vor der Titel „Direktor Equinox Sambia" prangt, obwohl diese Uranförderfirma längst von einem anderen Unternehmen geschluckt worden ist. Der neue Lumwana-Eigentümer hat sich bis dato indes nicht einmal dem Chief vorgestellt.


12/07/11 - Auf der RĂĽckfahrt nach Sambia


In unseren öffentlichen Bussen kaum vorstellbar, hier Normalität: Kurz vor Abfahrt stellt sich ein Reiseprediger vorne in den Gang des Busses, wendet sich - zumeist in einer Lokalsprache - den Fahrgästen zu, um eine zehnminütige Segnung von Bus und Passagieren vorzunehmen; angereichert durch Bibelpsalme und Gesänge, in die bald der halbe Bus mit einstimmt. Sobald seine Busandacht vollendet ist, sammelt der Prediger Spenden ein , und bedankt sich bei den Gebenden mit einem „God bless you!".
Als wir jedoch von Karonga aufbrechen, erlebten wir geradezu einen ganzen Busgottesdienst - und zwar der besonderen Art. Zunächst steigt Isaak, der rasende Taxifahrer, in den Bus und schenkt uns zum Abschied zwei Bekehrungsschriften  -  "Church is what we do to each other here and now!". Am Vorabend hatten wir uns länger ĂĽber seinen Glauben unterhalten. Kennenlerndialoge gehen in diesem Lande nach den Fragen zu Namen und Familienstand rasch zu der Frage ĂĽber: „Und zu welcher Kirche gehst Du?" Unsere Religionsunterhaltung muss Issak sehr beeindruckt haben - nachdem wir unfallfrei mit seiner „Taxikirche" weit durch Gebirge gekommen waren. Sodann steht eine ältere Frau auf, das Radio wird ausgedreht, Stille tritt ein, und sie fordert zum gemeinsamen Gebete auf, bevor die Reise losgehen kann.
Später frage ich mich, ob die Karongerin vorhin einem „Profiprediger" zuvorkommen wollte, oder ob sie das Gebet einfach aus eigener Überzeugung sprach. Aber da unterbricht ein heftiger Wortwechsel im mittleren Busteil meine Überlegungen. Aus unklaren Gründen hatten sich zwei Fahrgäste über die Frage in die Haare geraten, ob bzw. unter welchen Bedingungen Gott uns unsere Schuld vergebe. Bald schaltet sich ein dritter Passagier ein und dann ein vierter. Letzterer fragt die unerhörte Frage, ob Gott nicht ohnehin eine jeweils individuelle Projektion sei? Woraufhin die ältere Katholikin sehr empört reagiert und den Ketzer als Ungläubigen beschimpft. Dieser nun outet sich als ein Rasta, was im Dunkel des Busses lediglich für die Nächstsitzenden sichtbar war, und beginnt die Religion seiner Haarpracht zu erläutern. Alles in allem mag der Glaubensdisput rund zwei Stunden gedauert haben. Als wir in Lilongwe ankommen haben sich die Gemüter bereits beruhigt. Es war auch schon spät geworden.


10/07/11 - Karonga, wo die Erde bebt


"The Poor go to war" - lesen wir beim FrĂĽhstĂĽckstisch auf dem Fernsehbildschirm: Glaubt man den breaking news des Fernsehsenders eNews, bebt am heutigen Sonntag der Boden vor allem in SĂĽdafrika, wo Streiks schon zwei Todesopfer forderten.
Karonga sorgte Ende 2009 für Schlagzeilen, weil es von starken Erdbeben heimgesucht wurde. Noch heute sind Spuren davon zurückgeblieben, wir sehen Risse in Wänden und eingefallene Mauern. 30.000 Haushalte waren damals betroffen, und der Staat hatte den Notstand ausgerufen. Es soll an zwei Außenrändern des Städtchens nach wie vor eine Stufe im Erdboden geben, wo seit den Beben Erdplatten verschiedener Höhe aufeinander treffen.
Ein anderes, kleineres Beben ereignete sich auf diesem Boden, als die Deutschen hier den Ersten Weltkrieg gegen die Britten verloren. Sie waren auf eine Baobabfalle hereingefallen: Die britischen Soldaten hatten sich in einem hohlen Baum verschanzt, aus dem sie das Feuer auf die deutschen „Weltkrieger" eröffneten, um diese damit vernichtend zu schlagen, obwohl der eigentliche Krieg bereits vorbei war.
Während der Baobabbaum den Erdbeben zum Opfer gefallen ist, befinden sich die Kriegsgräber heute zwischen Flughafen und Krankenhaus - denn die ehemaligen letzten Ruhestätten der Gefallenen waren im steigenden Seewasser untergegangen.
Trotz dem Gewicht der Geschichte schlägt Deutschen in Karonga keine Ablehnung entgegen. Im Gegenteil: Zumal seit den paläontologischen Ausgrabungsarbeiten des Professors Friedemann Schrenk, der z.B. das CMCK (Culture and Museum Centre Karonga) unterstützt, können sich deutsche Besucher am Nordende des Malawisees sehr willkommen fühlen.


09/07/11 - Die Uranmine von Kayelekera


Obwohl wir gestern Karonga in Malawi wegen eines geplatzten Reifens erst sehr spät erreicht haben, beginnen wir in aller FrĂĽhe damit, vor Ort die Auswirkungen der neuen Uranmine zu erkunden. Seitdem vor wenigen Jahren die australische Minengesellschaft Paladin im Norden mit ihrem Kayelekera-Tagebau das erste bedeutsame Bergbauprojekt im Land begann, richten sich auch in diesem sambischen Nachbarland enorme Erwartungen an den Mineralabbau. Die Mine in Kayelekera soll beweisen, wie gewinnbringend fĂĽr Investoren sowie nutzbringend fĂĽr Malawi der Aufbruch ins Bergbauzeitalter ist. Wöchentlich werden nun etwa ein Dutzend neuer Explorationsgenehmigungen in Lilongwe ausgestellt. Bald schon werden alle claims (Abbaugebiete) abgesteckt sein. Die meisten Projekte befinden sich im Stadium der  "MachbarkeitsprĂĽfungen". Doch viel Investoren sind schon dabei Einzug ins kleine Land am groĂźen See zu halten. Die Wirtschaft Malawis hat schon allzu lange am immer unrentableren Tabakanbau festgehalten hat und muss sich dringend neu ausrichten.
Am Morgen befolgen wir bei unserer Recherche in Karonga erst einmal die Tipps, die man uns zuvor beim Centre for Human Rights and Rehabilitation (CHRR) gegeben hat. Das Centre hat erst vor wenigen Tagen eine Untersuchung zur Bedeutung des Uranbergwerks für Karonga präsentiert. Wir haben Glück und können noch für den Vormittag ein Treffen mit Vertretern der Distriktverwaltung und örtlichen Zivilgesellschaft vereinbaren. Offenbar hatte CHRR unseren Besuch schon am Vortag angekündigt.
Nicht einmal der Planungschef von Karonga, durch sein Amt zur Regierungstreue verpflichtet, nimmt ein Blatt vor den Mund. Wir hören viel Kritik, sowohl gegen das Unternehmen Paladin, als auch an der Regierung in Lilongwe. Es falle nichts vom Gewinn an die Bevölkerung ab. Versprechen würden nicht gehalten. Beispielsweise scheiterte Paladin bislang beim dreijährigen Versuch, zumindest für das Distriktstädtchen eine neue Wasserversorgung aufzubauen: durch das schwarze, gartenschlauchartige Plastikrohr wird noch immer kein Seewasser zum Klärwerk gepumpt. Und - noch enttäuschender - nicht einmal mehr die früher üblichen öffentlichen Diskussionsrunden zwischen Minengesellschaft, Distriktverwaltung und Zivilgesellschaft finden noch statt. Dies verstärkt noch den Frust über die Geheimniskrämerei der Regierung und ihren Geschäften mit den Australiern.
Wie wir bereits in den Gesprächen in der Hauptstadt erkennen konnten, zeichnet sich eine breite Unterstützung für die Aufnahme des Dialog-fördernden Prozesses der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) für Malawi ab.
Mittags zieht meine sambische Kollegin, eine Radiojournalistin aus Lusaka, los, um einen fairen Fahrpreis zum 50 Kilometer entfernten Bergwerk auszuhandeln. Gewiss ist das fĂĽr sie auf Nnjanscha einfacher, als wenn ich es auf Englisch versuchen wĂĽrde.
Ăśber eine zusehends immer weniger asphaltierte, doch gut befestigte StraĂźe fahren wir nach Westen aus der Stadt heraus, vorbei an einer japanischen Bauarbeitersiedlung. Aufgefordert vom vorherigen Präsidenten, haben sich die japanischen Ingenieure und andere Facharbeiter hierher zurĂĽckgezogen und weigern sich, WaMutharikas Aufruf zum Verlassen „seines" Landes zu folgen. Wir sehen auch eine chinesische Ansiedlung, deren GemĂĽsefelder wirken fast so groĂź wirken wie der zentrale Fuhrpark mit den StraĂźenbaufahrzeugen. Wir gelangen schlieĂźlich ĂĽber Serpentinen  ins malerische Vilawle-Gebirge. Chinesen mit breiten StrohhĂĽten weisen malawische Bauarbeiter beim BrĂĽckenbau an. Im Verhältnis zur StraĂźenbreite verkehren hier nur mickrig wenige Autos. Anscheinend rechnen die privaten Investoren, die fĂĽr den Bau der Autopiste sorgen, mit einem Vielfachen an Verkehr in den nächsten Jahren.
Hinter einer Steilkurve ist ein Minibus liegen geblieben, und unser Fahrer leiht den Liegengebliebenen Radspanner und Wagenheber - man kennt sich offenbar, Karonga ist noch keine groĂźe Stadt.
Erst nach mehreren weiteren Aufs und Abs kommen wir wieder an eine Art von Dorf. „Kayelekera Camp" nennen es die Einheimischen, im Prospekt von Paladin heißt es "Trade Center". Jedenfalls handelt es sich um eine seit Aufbau der Mine entstandene Neuansiedlung nur wenige Fahrminuten vom Werkstor entfernt. Eine Anhalterin, die wir unterwegs an der ansonsten menschen- und fahrzeugleeren Strecke aufgelesen haben, erzählt, sie sei nun Berufspendlerin. Sie wohnt im "Camp" und arbeitet in Karonga. Sowenig die Kayelekera-Siedlung einem Plan nach errichtet worden ist, so sehr erweist sie sich doch als fester neuer Satellitenstadtteil von Karonga.
Der einzige Blickfang zwischen unzähligen behelfsmäßigen Hütten, die sich bis zweihundert Meter vom Straßenrand in das Land ausbreiten, ist ein Aids-Aufklärungsplakat. Rechts von der Straße sehen wir einen metallenen Bankcontainer sowie ein modernes Schulgebäude, das muss ein Teil des Corporate-Social-Responsibility-Programms des Konzerns Paladin sein!
Andere Fahrzeuge sehen wir erst, als wir an der Paladin-Einfahrt ankommen. Es sind Säuretanker aus SĂĽdafrika, deren drei Lastwagenfahrer mit Kaffeebechern in der Hand  herum stehen und uns grĂĽĂźen.
Ein Jeepfahrer, sein Gesicht halbbedeckt von einer Staubschutzbinde, vermindert kaum sein Tempo, um  an uns vorbei zĂĽgig durch das Tor ins Minengelände einzufahren.
Wir hingegen können mit MĂĽhe dem Wachschutz erklären, dass wir eine Fotoerlaubnis vor den Toren bekommen. Es ist nicht daran zudenken, um Einlass zu bitten. Auf meine Anfrage  an die Zentrale von Paladin in der Hauptstadt, die Mine zubesuchen, war nicht einmal eine Eingangsbestätigung gekommen.
Inzwischen ist die Dämmerung angebrochen. Bevor wir unsere Rückfahrt nach Karonga antreten, entdecken wir am Boden merkwürdige, grüngelb leuchtende Pulverklumpen - gewiss kein natürlicher Gesteinsbestandteil des Vilawle-Bergrücken. Vielleicht wird ein Fachverständiger auf unserem Foto die Substanz später identifizieren können.


06/07/11 - Pure „Erfolgsgeschichte"? Malawi uneins über Nationalfeiertag

In beiden Ländern heißt die Währung Kwascha (gesprochen: Quatscha), wurden Rechts- sowie Verwaltungsordnung gleichermaßen durch die britische Kolonialzeit geprägt; und auch sonst ähneln sich die Nachbarn deutlich.
Umso mehr fällt uns auf unserer Stippvisite auf, was sich unterscheidet. Nicht nur, dass fast keine Händlerinnen auf Märkten und Strassen zu sehen sind, sondern Männer das Sagen in Geschäftsdingen zu haben scheinen. Auch die Produktpalette ist ungleich; hier zumal durch Mangel gekennzeichnet. Jonathan, ein deutscher Arzt, berichtet von fehlenden Arzneimitteln sogar im Hauptkrankenhaus von Blentyre. Riesenlange Warteschlangen vor den Zapfsäulen bestimmen das Bild; in den Supermärkten fallen die leeren Warenregale auf, selbst in der Hauptstadt.
Heute allerdings, am Unabhängigkeitstag, hat sich Lilongwe herausgeputzt; die Hauptstraßen zieren bunte Dekorationen, die sich abends in blinkende Lichterketten verwandeln.
Doch der zentralen Festveranstaltung, in Mzuzu, im Norden des Landes, sind die meisten Nichtregierungsmitglieder ferngeblieben - nicht nur aus Benzinmangel, sondern aus Protest gegen die Jubelposen des Präsidenten. (Seitdem man sogar für Kundgebungen Verwaltungsgebühren zahlt, könnte solche Art Streik noch einen wichtigen Stellenwert bekommen.)
Und tatsächlich lesen wir anderntags, wie Bingu wa Mutharika die Malawierinnen und Malawier aufruft, der Welt „die Erfolgsgeschichten" der Nation kundzutun - „die Erfolge" seiner zwei Amtszeiten: ein (schon älteres) Düngerhilfsprogramm, ein (mangels Nutzung zweifelhafter) Binnenhafen, ein (von der chinesischen Regierung geschenkter) Parlamentsneubau, neue Straßen. Wer kritisiere, dem Lande fehlten Erfolge, sei ein Lügner.
Geberländer ruft wa Mutharika, der schon drauf und dran war, die Verfassung ändern zu wollen, um praktisch auf Lebenszeit Regierungschef zu bleiben, nun jedoch offenbar seinen Bruder ins nächste Rennen schicken will, keine weiteren Hilfsgelder einzufrieren - wie letztes Jahr geschehen -, sondern zu helfen, sein „Zero-deficit Budget" zu verwirklichen. Eine Folge ausländischer Sorgen um die verstärkte Autokratie in Malawi war kürzlich, dass der englische Botschafter das Land verlassen musste, nachdem eine regierungskritische Äußerung durchgesickert war. Aber auch von deutscher Seite aus dürfte man kaum Glückwunschtelegramme anlässlich des Nationalfeiertags an wa Mutharika gesandt haben.
Bürger ärgern sich natürlich besonders über erhöhte Gebühren und Steuern. Wir erleben eine Menge Unmut und Mangel - nichts passt mit angeblichen Erfolgsgeschichten zusammen. Vergangenes Jahr ließ Malawis Präsident kurzerhand alle Nationalflaggen abändern, um die „Erfolge" zu feiern: statt im Aufgang zeigen sie die Sonne nun vollends im Zenit. Unser Taxifahrer klagt, er wolle sich kein überteuertes Nummernschild mit aufgegangener Sonne leisten, um dann mit diesem vor leeren Tankstellen zu stehen.
Konsequent wäre es letztlich gewesen, wenn der hochmütige Präsident ebenfalls die Landeswährung umgestellt hätte. Denn auch „Kwascha" heißt „aufgehende Sonne" - vielleicht müssen Malawier/innen ja bald „die Erfolgsgeschichten" ihrer Politik mit einer Währung namens Zenit bezahlen, oder doch eher Sonnenstich?


04/07/11 - Kirchenleute pochen auf Vorsicht beim Uranabbau

Meine Recherche in Sambia und Malawi soll die jüngsten Uranbergbauprojekte unter die Lupe nehmen - einschließlich der öffentlichen Diskussionen sowie zivilgesellschaftliche Stellungnahmen, die sich hierzu finden. In Lusaka sind es bisher vor allen Dingen zwei kirchennahe Organisationen, welche sich dem Uranthema annehmen: CARITAS und das Council of Churches in Zambia (CCZ).
Sie benötigten mehr - unabhängige - Informationen über diese Minenprojekte, damit sie ein ausgewogenes Urteil über Chancen und Risiken fällen könnten, sagen sie. Ihre Veröffentlichungen - eine Videodokumentation und eine Übersichtsbroschüre - bleiben soweit verhalten, mahnen indes zur Vorsicht - etwa unter der Fragestellung „Ist Sambia bereit für den Uranbergbau?".

Mehr: http://www.scribd.com/doc/38650866/Prosperity-Unto-Death-Is-Zambia-Ready-for-Uranium-Mining

http://www.caritaszambia.org.zm/index.php/your-details/natural-resources



03/07/11 - Zu Gast auf der Kultur-Farm SHAZULA


Umgeben von Mazabukas Zuckerrohrfeldern als auch dem Vieh der Milchbauern von Magoye, errichten Namoko und Peter Gustavus ein neues Kulturzentrum. Was ein kĂĽhnes Unternehmen!
Das deutsch-sambische Paar, dessen Kinder inzwischen in Deutschland leben, erzählte mir bereits vor Jahren von ihrem Projekt „Shazula", aber erst heute klappt es mit dem Besuch. Nach dem Anblick der recht ausgetrockneten Büsche oder abgeernteten Felder im Umland erfreut die Ankommenden ein farbenfroher Rosengarten vor dem Haupthaus. Er ist zu Recht Namokos ganzer Stolz. Damit die Gäste eine intakte Landschaft erleben können, suchen Peter und Namoko ihren Farmgrund im Übrigen so Natur-nah wie möglich zu belassen - zum großen Unverständnis der Nachbarn, deren Ziegen gerne ab und zu dort weiden würden.
Um solche Irritation geht es auch in den Bildungsangeboten sowie der Kunst von Namoko und Peter: Hat sie jahrzehntelange Erfahrung als Bildnerin für interkulturelle Schulungen, so setzt sich der Berliner Künstler auf vielfache Weise mit Spannungsmomenten auseinander, die sich aus europäisch-afrikanischen Kulturunterschieden ergeben.
Ambivalenzen prägen die unterschiedlichen Naturverhältnisse hier wie dort. Und „Naturkonzeptkunst" lässt sich als eine Art roter - oder grüner - Faden von Peters Kunst erkennen. Beispielsweise gestaltet er Skulpturen durch nur geringe Eingriffe in die natürlichen Fundstücke, die er im Umland findet. Es gehe ihm darum, sagt er, lediglich „zu unterstreichen", was „die Künstlerin Natur" mache.
Ein verwandter Zyklus seiner Arbeiten, ebenfalls um unseren Ressourcenumgang kreisend, heißt „waste and value": Ihn bestürzt, wie kurz die zweckbezogene Lebensdauer etwa von Flaschen oder Plastiktüten ist - verglichen mit der Zeit, die sie als „Müll" fortbestehen. Der „Einwegbenutzung" setzt der Berliner ein ästhetisches Recycling entgegen, das hier sehr interessante Arbeiten hervorbringt (z.B. „Meine Gesundheitsreform").
"TO BElieve OR NOT TO BElieve - THIS IS THE QUESTION" - lautet das Motto von Peters neuestem Kunstprojekt, das im Herbst in eine „soziale Plastik" münden wird - einem Lusakaer Symposium zu Religion und Kunst. Und am Nachmittag, nachdem er uns ein weiteres Glas hausgemachter Limonengraslimonade eingeschenkt hat, bittet er uns, einen Fragebogen auszufüllen, in dem wir unsere Glaubensmotive kundtun sollen („Glaubst Du an Gott? An welchen? Warum?"). Der nach eigenen Worten „nicht-gläubige" Berliner erklärt, wie kaum sonst etwas fasziniere ihn in Sambia die Begegnung mit dem hier gelebten Glauben und Spiritualität.
Auch Peters Ausstellung „Seeing with the Eyes of the Others", die derzeit im Museum von Choma gezeigt wird, handelt von der Verschiedenheit menschlicher Glaubenspraxis; zum Beispiel wenn es um Krankheit und Heilung geht. „Witch Doctor and his Assistant" heißt etwa ein Bild, das im Vordergrund einen Nagelfetisch erkennen lässt und daneben die zwei Gehilfen des traditionellen Heilers.
Die (Nicht-) Macht unserer Ahnen ist ein zentrales Thema. Peter Gustavus stellt diesem sambischen Glauben an Vorbestimmtheit durch die Ahnen unseren westlichen Glauben an unsere DNA gegenüber: „Wir glauben anders als ein Afrikaner. Aber wenn man an Spiritualität glaubt, ist Glaube an die Macht der Ahnen nicht so abwegig, wie die Mehrheit in Europa denken mag."
Zum Abschied sagt Namoko, dass wir uns ja bald in der Hauptstadt wieder sähen, wenn sie ihre Einkäufe tätigten, da sie ja die nächsten Gäste erwarteten - Studierende aus Zagreb, die bei ihr ein handfestes Interkulturtraining gebucht haben. Aber auch Teil dieser Schulung wird vielleicht der Besuch bei einem witch doctor sein.
Weitere Informationen: http://www.shazula.com/


01/07/11 - Wahlkampf geht in heiĂźe Endphase

„Präsident Rupiah Banda forderte alle Sambier auf, die Allgemeinen Wahlen 2011 dem Andenken der zwei seligen sambischen Führer Levy Mwanawasa und Frederick Chiluba zu widmen, und er rief zu Friedfertigkeit während der Wahlen auf", meldet die TIMES OF ZAMBIA.
 
Inoffiziellen Informationen zufolge hat die Regierung den Wahltag für Ende August angesetzt: Bei den so genannten Allgemeinen Wahlen geht es sowohl um die Regierungsmehrheit als auch die Wahl der Staatsspitze. Als Präsidialdemokratie wohnt in Sambia dem Spitzenamte eine gewaltige Machtfülle inne.
Wahlplakate sind entlang der Straßen zwar noch keine zu sehen, doch auf dem staatlichen Fernsehkanal ZNBC bestehen die Nachrichten zur Hälfte daraus, dass man schlicht Ansprachen des Präsidenten sowie sonstiger Regierungsmitglieder überträgt. In der Presse funktioniert die Rollenverteilung wie eh und je: Während die private „The Post" hauptsächlich die Opposition zu Worte kommen lässt, werben die übrigen, staatlichen Zeitungen mit seitenlangen Regierungserfolgsmeldungen um die Gunst der Wähler/innen. Zusätzliche Werbung garantiert dieses Jahr etwa das Energiemonopolunternehmen ZESCO - durch verbilligte Neuanschlüsse - sowie das Verschenken von Solarwarmwassergeräten (mit unergründlicher Verteilungslogik).
Seitdem sich die zwei größten Herausforderer nicht einig wurden, wer im Falle des Wahlsiegs den Präsidenten stellen solle, ist es höchst unwahrscheinlich geworden, dass die Patriotic Front (PF) unter Herrn Sata oder eine der übrigen, kleinen Oppositionsparteien der regierenden MMD den Rang streitig machen könnten.
Politisch wird es die kommenden Wochen allerdings kaum langweilig werden, und es bleibt zu hoffen, dass Wahlen und Wahlkampf mindestens so friedlich wie die letzten Male, doch noch fairer verlaufen.


28/06/11 - Sambische Wärme

Anders als von England aus, fliegt seit langem kein Flugzeug aus Deutschland Sambia direkt an. Wer weiĂź, ob der Direktflug einmal zurĂĽckkehrt; jedenfalls geht meine Verbindung jetzt wieder ĂĽber Johannesburg.
Und wieder wechseln die Jahreszeiten: Bei fünf Grad statt 30 Grad Celsius wie in Frankfurt am Vorabend, bin ich beim Ausstieg froh über die Daunenjacke, die ich für jemanden in mitbringen soll, und nun selbst überziehe. Ich trinke gegen die Kälte im Flughafen einen zweiten Kaffee.
Am Nebentisch flucht ein weißer Südafrikaner ins Handy: „What the hell! The delivery is not done, have not received the email either." Er wendet sich dem Kollegen zu: „Am lost, somebody is not playing the game!" Wortlos bringen sie ihr restliches Frühstück runter.
Ich stehe auf und schlendere durch die Ladenpassagen: Während bei uns zu Hause gerade die Frauen-WM losging, zeugen in den Souvenirshops lediglich ein paar Mini-Vuvuzelas vom grandiosen Fußballfest des vergangenen Jahres. Merkwürdiger Anblick.

Nach dem kühlen Zwischenstopp fällt an Lusaka umso mehr die Wärme auf; nicht nur das mildere Klima, sondern vor allem die Freundlichkeit der Sambier/innen heitert die Stimmung auf. Ich überlege, ob dabei heute auch eine Rolle spielt, dass nun die nationale Trauerzeit um ist, die nach dem Tode des einstigen - wegen seiner Korruptionsskandale berühmt-berüchtigten - Präsidenten Frederik Chiluba ausgerufen worden war, so dass beispielsweise im Radio eine Woche lang nur ruhige Instrumental-Musik gespielt werden durfte.
In meinem alten Wohnviertel nicken mir Straßenhändler zum Gruße zu. Einer vergewissert, er würde mir für sein Obst denselben Spezialpreis wie letztes Jahr machen.
Zur weiteren Aklimatisierung gehe ich zum Friseur. Er sitzt in seinem kleinen Kabuff vor dem Spiegel, singt und pustet Rauchwolken gegen das Glas. Noch bevor er nach meinem „Haarwunsch" fragt (potatoe cut nennt sich hier eine Schädelrasur), bietet er auch mir eine Zigarette an und fragt dann, ob mir seine neue Gospel-CD gefalle.
Ich freue mich, erneut in Sambia zu sein.







24.10.10 - Zurück nach Deutschland: Sambische Geschichtsstunde und „Independence Party" in Berlin

Nach einem guten halben Jahr in Lusaka endet mein Einsatz. Passend zur RĂĽckreise, hat die German Zambian Friendship Association zur Feier des heutigen Independence Day nach Berlin eingeladen.
Gemeinsam mit Sambiern aus ganz Deutschland erleben wir eine wunderbare „Independence Party", Geburtstagsfeier der Nation. Sie näherte sich kurz vor Mitternacht damit dem Höhepunkt, dass wir die sambische Nationalhymne singen und dem Botschafter eine Geburtstagstorte überreicht wird – denn sinniger Weise ist es auch sein Geburtstag. Dann wird zu alter und neuer sambischer (Pop-) Musik (Dandy Crazzy) genau so schwerelos schwungvoll und lebhaft getanzt, wie man es aus Lusaka kennt.

Vorausgegangen war der Party jedoch ein ernsthafter „Informations- und Bildungstag".
Unvergesslich wird hiervon die Geschichtsstunde mit der Schriftstellerin Ruth Weiss bleiben. Frau Weiss, bekannt vor allem als hochgeschätzte und geehrte Zeitzeugin zum deutschen Nationalsozialismus, hat nicht nur viele Lebensjahre in Südafrika verbracht, wohin sie vor den Nazis fliehen musste, sondern arbeitete als Journalistin auch für längere Zeit in Sambia, noch bevor es statt Sambia Nordrhodesien hieß: Sie kannte und kennt (soweit sie noch leben) praktisch alle schwarzen Widerstands- und Unabhängigkeitskämpfer des südlichen Afrikas.
Sie erlebte einschneidende Augenblicke der schwarzen Befeiungsbewegung mit, etwa den Tag, als sich in Sambia die UNIP-Partei des Kenneth Kaunda (K.K.) vom ANC abspaltete.
Sie zog mit den damaligen AnfĂĽhrern durch townships und den Busch, um ihren Wahlkampf zu begleiten und zu unterstĂĽtzten.
Eindringlich erzählt Ruth Weiss – entgegen dem Bild vom allzeit friedlichen Sambia -, wie sehr auch dort der heutigen Unabhängigkeit ein wirklicher Kampf vorausging, beispielsweise in den gewaltsamen Cha-Cha-Cha-Tagen.
Später berichtete die Wirtschaftsjournalistin Weiss ein weiteres Mal aus Lusaka; sowohl für die Times of Zambia als auch die Londoner Financial Times („I had my foot in both camps").
Kritisch kommentiert sie die damalige Verstaatlichung der Bergwerke durch die erste schwarze Regierung („K.K. should have waited a bit"). Ob sie ihm das so persönlich gesagt haben mag, als sie ihm 2009 am Unabhängigkeitstag wieder begegnete? Hoffen wir, dass Frau Weiss auch ihre reichen Sambiaerinnerungen noch zu Papier bringen und veröffentlichen wird.

Weitere Informationen zu Ruth Weiss anlässlich der Namensverleihung der Ruth-Weiss-Realschule in Aschaffenburg:

Siehe auch unter Literaturtipps: Kinder- und JugendbĂĽcher - SĂĽdafrika, Ruth Weiss "Meine Schwester Sara"
http://www.gesichter-afrikas.de/kulturangebote/literaturtipps/kinder-jugendbuecher.html


17. 10.10 - Sambesistrasse 250: historisches Quartier des ANC in Lusaka

Wenige Spuren bis in die Gegenwart hinterlieĂź Sambias UnterstĂĽtzung fĂĽr den sĂĽdafrikanischen African National Congress.
Nachdem 1960 im Apartheids-Südafrika die zentrale Widerstandspartei und Befreiungsbewegung, der ANC verboten worden war, agierte er bis in die 80er Jahre von seinem sambischen Exil-Quartier aus. So spielte im Antiapartheidskampf Südafrikas besonders eine - unauffällige - Lusakaer Adresse eine Rolle: die Zambezi Road 250 im Stadtviertel Olympia.
Faktisch befand sich der ANC-Hauptsitz dort bereits seit 1967; 1968 kam etwa der amtierende Parteivorsitzende Oliver Tembo hier unter. Später leitete zeitweise selbst der heutige Präsident Jacob Zuma von hieraus den Geheimdienst des ANC. Ob es an diesen Untergrundaktivitäten liegt, dass heute nicht mehr Zeitgeschichtliches über jene Verbindungen zwischen Lusaka und dem Land am Kap gezeigt wird?
Am Haustor in der Sambesistraße finden wir heute das Schild einer NGO-Allianz, die sich kritisch mit Jetropha-Anbau zur Biospritgewinnung beschäftigt.
Doch zumindest findet sich seit 2009 ein Buch und die dazugehörige interessante Website zur nämlichen Adresse:

www.250zambeziroad.org



11.10.10 - „From Zambia, with love": Starke Frauen bestimmen die Literatur


Ein Sachbuch war es, das vergangenes Jahr eine sambische Autorin weltweit bekannt machte: „Dead Aid" von Dabisa Moyo löste auch im Heimatland der Volkswirtin und Bankerin leidenschaftliche Debatten über das Für und Wider von Entwicklungshilfe aus; ist vielleicht das wichtigste ‚sambische' Buch, das bis heute geschrieben wurde, selbst wenn es weder direkt in Afrika geschrieben noch hier verlegt worden war, sondern von Washington, dem Wirkungsort Moyos aus seinen Weg durch die politischen Diskussionszirkel unserer Welt fand. Doch löste hier damals Moyos Vortragsbesuch so nachhaltige Auseinandersetzungen aus, dass sich ganz klar erkennen ließ, wie sambisch „Dead Aid" ist. In dem, was sie schreibt, fanden sich ihre Landsleute und ihr Land unmittelbar wieder. Viele Sambier mögen sich das erste Mal gesagt haben: Ja, wir müssen wegkommen von diese fremden Hilfe, sie darf nicht ewig bleiben. Moyo gab über Monate den Ton an.
Normalerweise kann die Suche nach moderner Literatur aus Sambia eigentlich nur enttäuschen. Da finden wir in den wenigen Buchläden zwar einmal ein Büchlein (ein dünnes Heft) einer lokalen Schriftstellerin (es sind fast immer Frauen) - etwa Kurzgeschichten von Mwila Agatha Zaza oder „Salayi and the Witch Doctor" von Manjase Banda. Doch bietet die Literatur anderer Länder einfach mehr.
Aber nun tritt wieder eine Sambierin mit einem Buch hervor, und es bleibt abzuwarten, ob ihre literarische Karriere wie bei Moyo ein Siegeszug um die Welt wird: Ellen Banda-Aaku hat für ihren Roman „Patchwork" dieser Tage den bedeutenden neuen Preis für „Afrikanisches Schreiben" des Penguin-Verlags verliehen bekommen. „From Zambia, with love" überschrieb die südafrikanische ‚Mail & Guardian' den Bericht über dieses Ereignis. Im Interview betont die Schriftstellerin, wie stark ihre Literatur von Sambia geprägt ist und durch und durch vom Land am Sambesi handelt. Sie sagt, eine ihrer großen Vorbilder sei Alexandra Fuller mit ihrem Sambia-Roman „Don`t Let`s Go to the Dogs Tonight".
Banda-Aakus Roman erzählt die Geschichte von Pumpkin, einem jungen Mädchen, das in Sambia lebt, und wie es damit zurande zu kommen lernt, zwei getrennte  Welten zu bewohnen: das des arbeitssĂĽchtigen Vaters und dasjenige ihrer alkoholsĂĽchtigen Mutter, seiner Geliebten. Banda-Aaku beschreibt ihre Erzählung als eine zeitgenössische afrikanische Vater-Tochter-Geschichte.



01.10.10 - Was läuft außer Hollywood?


Afrikanisches Kino bleibt im Lusakaer Sterkinekor-Multiplex leider außen vor; dafür sehen wir dort vermehrt Bollywood und hören Hindi. Gestern Abend gehörten wir im Saal zu den wenigen nicht-indischen KinobesucherInnen, die die englischen Untertitel lesen mussten. Hollywood-Spielfilme laufen hier ansonsten früher an, als sie nach Europa kommen. Und zuletzt kamen ja erfreulicher Weise durchaus ein paar sehenswerte US-Filme auf die
Leinwände hier, etwa „Salt", „Knight and Day", „Inception". Am erfolgreichsten war indes die skurrile Komödie „Death at a Funeral".
Lokale Produktionen sieht man hier vor allem unterwegs: im Überland-Linienbus. Reisenden, die vom Intercity-Busbahnhof abfahren, wird fast immer – je nach Fahrtlänge – eine Reihe Unterhaltungsfilme aus afrikanischer Produktion gezeigt – oftmals Nollywood, also Filmstoff aus Nigeria.
Oder man kauft sich eine der DVDs vom Straßenhändler. Bei ihnen handelt es sich allerdings fast immer um Raubkopien mit vielfach unfreiwillig komischen Nebeneffekten: Mal läuft jemand durchs Bild, mal fehlt ein Stück vom Bild, oder wir
hören das Kinopublikum von der DVD lachen, noch bevor wir selbst den Witz verstanden haben. Aber auch auf DVD finden wir selten afrikanische Filmproduktionen. Dafür umso mehr US-Filme, die Afrika als geklaute Kopie aus Asien erreichen und hier so noch vor jeder Kinopremiere zu sehen sind, aber eben illegal und oft mit Schönheitsfehler.


22.09.10 - Entspannungsgeste nach Zwist mit Geberländern


„Wer uns satt hat, sollte seine Koffer packen und gehen", erwiderte ein verdrossener Präsident Banda auf Äußerungen
ausländischer Diplomaten, als sie die Ablehnung einer Korruptionsklage gegen Expräsident Chiluba kritisierten.
Das war im August, nachdem neue Korruptionsfälle etwa im Gesundheitsministerium und Straßenbau dazu geführt hatten, dass mehrere Geberländer ihre Entwicklungsgelder eingefroren hatten.
Staatszeitungen sekundierten vor einem Monat, die „Geber müssen ihr Image erneuern"; Entwicklungshilfe sei so herabwürdigend und falsch, wie es im Land über 70 Jahre das rassistische Gebaren der Kolonialmächte gewesen sei. Und auch Wa Mutharika, Staatspräsident von Malawi, sprang Präsident Banda mit einer donor-Schelte zu Seite.
Die Hitze des Zwists liess sich – wenn überhaupt - nur vor dem Hintergrund der beginnenden Wahlkampfes (2011 finden Präsidentschaftswahlen statt) verstehen. Und es konnte dabei erschrecken, wie rasch sich dieser Groll ausweitete; etwa sogleich auch gegen kritische Geister wie Peter Henriot von den Jesuiten sowie die gesamte „Römisch-katholische Kirche, deren Priester für zivilen Ungehorsam agitieren", richtete.
Nun, Freitag jedoch, kurz bevor die New Yorker UN-Konferenz (http://www.un.org/en/mdg/summit2010/) ihre gemischte Zwischenbilanz zur Entwicklungshilfe zog, sandte Banda in seiner Regierungserklärung klare Entspannungssignale aus; würdigte die cooperating partners in den gemeinsamen Anstrengungen zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele. Die Zeitungen berichten über sehr freundliche Begegnungen mit mehreren westlichen Botschaftern.
Der Zwist scheint beigelegt.


14.09.10
Mutinondo Wilderness – Spektakulärer „Africatourism" in Nordsambia


Ein gutes Beispiel sanften oder nachhaltigen Tourismus, das nun auch von Open Africa unter dem Schlagwort „Africatourism" beworben wird (www.openafrica.org),  sowie eine der schönsten Gebirgslandschaften des Landes ist in der Nordprovinz zu entdecken: Kurz vor Mpika geht es von der HauptstraĂźe ab, und nachdem der sandige Waldweg passiert ist, öffnet sich vor uns unversehens das groĂźartige Mutinondo-Bergpanorama.
Majestätische Granitfelsen, Sümpfe entlang von Bächen und Flüssen, kleine Wasserfälle, weite Sumpfebene, saftiges Grün vor karger dunkler Bergkuppel – gerade für den Reisenden aus dem lauten Lusaka eine Augenweide.
„Chintu Mukulu" ist eines der Naturschutz- und Tourismusprojekte, das die Mutinondo-Pioniere, das Ehepaar Lari und Mike Merritt, zur UnterstĂĽtzung der umliegenden Dorfgemeinschaften realisieren. Sei es die 100%ig solarstrombetriebene Lodge, seien es „Conservation Farming"  oder Kampf gegen Wilderei – immerfort ist Mikes und Laris Ehrgeiz zu sehen, auch etwas Gutes fĂĽr die Land und Leute vor Ort zu tun.
Aktivurlaubern stehen viele Pfade zum Bergwandern offen, am Flussufer liegt ein Kanu zum Abstecher auf dem Wasser bereit, und mehrmals täglich werden Pferdeausritte durchs Gebirge und die Täler angeboten.
Weit und breit findet sich hier kein Kunstlicht, keine Siedlung, kein Fahrzeug, so dass auch die Ruhe und der klare Himmel bemerkenswert sind. Sinniger Weise sind die fünf Chalets der Naturlodge jeweils auf einer Seite völlig offen – ohne Tür, Fenster oder Wand! So lässt sich nachts, noch vom Bett aus der sternenübersäte Nachthimmel bewundern – wenn man erst mal die Befürchtung überwunden hat, dass das ein oder andere Tier unerwünscht zu Besuch kommen könnte.

http://www.mutinondozambia.com




06.09.10
Likumbi Lya Mize – Königin aus Angola besucht Zeremonienfeier von Sambesi


Nach der Kuomboka in Mongu, ist die Likumbi Lya Mize (übersetzt ungefähr: „der Tag von Mize") Sambias zweitgrößte traditional ceremony; sie findet alljährlich, zwei Tagesreisen und über Tausend Kilometer von der Hauptstadt entfernt statt, am nordwestlichen Flussabschnitt des Sambesis, beim gleichnamigen Städtchen Sambesi. Es liegt auf der Hand, dass aufgrund der langen Anfahrt nur wenige Ausländer und Gäste den Weg zu dieser Feststätte und Feier finden.
Wir haben mit unserer Reise nach Sambesi umso mehr Glück, als wir einer historischen Premiere beiwohnen: Erstmals nimmt Chieftainess Nyakatolo aus Angola an den Feierlichkeiten teil, die Königinmutter aller Luvale in Angola und Sambia. Was allen Feiernden eine besondere Aufregung und Freude bereitet. Schon am Ankunftsabend, Freitag, jubeln Luvale aus Angola und Sambesi zur Ankunft von Nyakatolo und begleiten sie dann entweder per Auto und Hupkonzert oder laut singend zu Fuß zu ihrem königlichen Quartier, bevor die Feier am Folgetag dem Höhepunkt entgegen geht. Am offiziellen Haupttag finden sich immer auch Regierungsvertreter sowie geladene traditionelle Führer, chiefs befreundeter Volksgruppen in Mize ein, am Palast von Luvale-König Ndungu und dem Festorte der Likumbi Lya Mize.
Eigentlich, so lernen wir während unseres Kurzbesuchs, beginnt die mindestens einwöchige Zeremonie stets bereits am Montag; und zwar mit dem ersten Erscheinen der Makishi-Tänzer an der Ruhestätte der Luvale-Vorfahren. An ihrem Friedhof, auf der Stadtseite des Flusses gelegen, beschwören sie die Ahnen, bevor sie am Dienstag oder Mittwoch den Sambesi nach
Westen überqueren, gen Mize. Unterwegs, auf dieser Überquerung und Zeitreise, ist jeder der Zeremonientage einem besonderen Auftritt vorbehalten. Jeder der rund zwanzig rot-schwarz-weißen Makishi trägt eine andere Maske und ein je eigenes Kostüm, und jedes Jahr wieder verändert. Unter den verschiedenen, teils gruseligen, teils urkomischen, immer jedoch fantastischen Masken fällt heute ein fast menschenhaftes Mondgesicht auf; diese Maske sei neu, erklären uns zwei Luvale. Ja, allein schon die einzelnen Masken sowie das Ensemble der Tänzer ergreift und fasziniert. Mancher Anblick erinnert an Traumbilde und Alpratzen, Schreckensmomente gehen dann ins Aberwitzige über. Und wer während dieser Tage übers Festgelände läuft, dem kommt auch schon einmal ein Paar – einfacherer – Makishi hinterher gelaufen, um einen Streich zu spielen und (erfolgreich) etwas Angst zu machen: nicht nur Fremde, selbst Einheimische nehmen zuweilen dann reiß aus.
Für die Luvale ist ihre traditional ceremony ein so persönliches Anliegen wie ein Familienfest oder eigener Geburtstag, zu dem sie Verwandten und Freunde eingeladen haben. Ein jeder Besucher, jede Besucherin wird aufs Freundlichste empfangen, und ein jeder Gast bleibt für „den Tag von Mize" Angehöriger der Festivitäten; kann sich vereint fühlen mit den Luvale in Tanz und Musik, bei der Königinnenbegrüßung (verbeugend, auf Knien), der Flucht vor einem närrischen Makishi, bei Feiern, Speis und Trank.
Ungeachtet Sponsorenlogos und Werbebanner – noch trotzten die Luvale der Kommerzialisierung, und die Zeremonie besteht als Mysterienspiel fort, faszinierend und befremdend für uns zugleich. Vermutlich lässt sich ein Großteil der Likumbi Lya Mize als Initiationsritual verstehen.
Hierzu passen die von Trommelrythmen begleiteten, Aufsehen erregenden Tanzauftritte von Luvale-Mädchen, festlich geschmückt und kostümiert, mwali genannt, deren weibliche Reife so zelebriert wird.
Am Rande kam es auch dieses Jahr zu Gewaltausschreitungen zwischen den Luvale und Lunda, weil die Grenzverläufe zwischen den beiden Königtümern nicht klar geregelt sind. So kritisiert senior chief Ndungu die Regierung, weil sie sich einfach aus dem langjährigen Stammeskonflikt heraushalte, anstatt zur Schlichtung beizutragen. Brennpunkt ist der
Friedhof der Luvale auf der township-Seite des Flusses, von wo aus die Makishi ihren Auftritt beginnen: Ist das Stadtgebiet staatlich, also „neutral", oder gehört es zu einem der Königtümer, ist also entweder Eigentum der Lunda oder Luvale?
Seit britischer Gemeindegründung (1907), als die Kolonialverwaltung das damalige Baluvale ausrief, streiten sich in Sambesi bis heute Lunda und Luvale, wem welches Land gehört – insbesondere zu Zeremonienzeiten. Ausgerechnet der Luvale-König unterbreitet nun detaillierte Gesetzgebungsvorschläge zur Beilegung des Grenzstreits; die Politik solle aufhören, so „rückwärtsgewandt" zu agieren.



29.08.10 - Lusakas Kulturszene

Manche Hauptstadt der Nachbarländer, etwa Harare oder vor allem Maputo,  besitzt ein weitaus impulsiveres Kulturleben als Lusaka. Aber es gibt Wochenenden, da ist einiges los; und es gibt mehr zu hören als die Marschkapelle, die nun Samstag fĂĽr Samstag durch meinen Stadtteil Kabulonga kommt. Gestern gab sich erneut der kongolesische Rumba-Popstar, „rhumba maestro" („The Post") Koffi Olomide die Ehre, sein neues Album zu präsentieren – wie immer samt groĂźer Glitzerschau. Zunächst trat er im exklusiven Rahmen, im Hotel Taj Pamodzi auf, danach liess er sich  von den Mengen im Woodland-Stadion bejubeln. (Solche Konzerte finden eher am Monatsende statt, wenn die Leute ihren Lohn ausgezahlt bekommen haben.)
Zeitgleich lockte der kleine, private Fernsehsender Movi TV zum beauty und talent contest ins (chinesische) Golden Bridge Hotel. Nachdem neulich die Vorrunde des Wettbewerbs („für Damen zwischen 15 und 30 Jahren") in der Zuckermetropole Mazambuka („süßeste Stadt Sambias") stattgefunden hatte, ging es in der Endrunde um den Hauptpreis: ein zweijähriges
Journalismusstudium am Evelyn-Horn-College.
Schaumoderatorin Claudia erzählt, das Juryurteil werde kontrovers bleiben, weil die Gewinnerin nicht dem Bild einer typischen Schönheitskönigin entspreche, vielmehr sei es die Idee der Fernsehschau gewesen, nicht so sehr auf normale Modelqualitäten, sondern besonders auf Persönlichkeit und Talent zu setzen. Dennoch hätten die meisten
Zuschauer/innen der Siegerin und kĂĽnftigen Studentin schlieĂźlich zugejubelt.
Diese jugendlichen Wettbewerbe sind landauf, landab überaus beliebt, sie werden hauptsächlich von Jugendvereinen organisiert, aber eben oft auch mehr oder weniger kommerziell ausgerichtet. Vermutlich liegt die Faszination an ihrer Kombination aus Anleihen bei westlichen beauty contests (a là „Deutschland sucht sein nächstes Topmodel")
sowie Pflege afrikanischer Traditionsmuster – teils in den Kostümen, teils in Tanz und Musikstil.
Auch im Programm hatte Movi TV zwei Fernseh-bekannte Clowns, die hier praktisch jedes Kind kennt.
Zur selben Zeit traten in Chilenje zwei lokale Popgrößen auf (wie fast immer in play back), und bot das Lokal „Kalahari" sein gewohnt unterhaltsames, immer abwechslungsreiches Musikprogramm. Clou war bei diesem Lusakaer „Klassiker" auch Freitagnacht wieder die sonst sehr selten gespielte und doch so hörenswerte alte sambische Tanzmusik, Kalendula.
Wer immer kann, sollte unbedingt an einem Freitag oder Samstag Abend diese köstliche Unterhaltung im Kalahari genießen. Großer Lacher war diesmal, als die zwei Sänger als blinde Baden verkleidet auftraten – ganz in der Manier der großen alten Lusakaer Sangesgrößen aus den siebziger Jahren, von denen die Stücke kommen. Und diese schöne Gaudi wird bisher von überhaupt keiner Touristengruppe besucht – ein echter Geheimtipp.



17.08.10 - BMZ-Minister Niebel kommt nach Sambia


Anlässlich eines Empfangs fĂĽr sambische und deutsche Wirtschaftsvertreter kĂĽndigt  Botschafter Frank Meyke offiziell den Besuch durch Bundesminister Dirk Niebel an.
Niebel wird mit Delegation Anfang Dezember mehrere Städte in Sambia besuchen; zwei Schwerpunkte dabei sind Bergbau und Tourismus.
KollegInnen sagen, hiermit stehe von deutscher Seite aus „seit Menschengedenken" der erste echte Ministerbesuch vor der Tür.
Während der vergangenen Jahre besuchten Sambia allenfalls einmal Bundestagsabgeordnete, aber niemals höhere Regierungsvertreter.
NatĂĽrlich sorgt die AnkĂĽndigung hier innerhalb der  deutschen Entwicklungszusammenarbeit nun fĂĽr einigen Wirbel. Ist ja schlieĂźlich eine groĂźe Chance, einen positiven „Hingucker" fĂĽr Sambia und deutsche EZ zu erzielen.




12.08.10 - MTN, Zain & Co. - Handys sind kein Luxus, aber teuer

Gehört für Deutsche der Fernseher zum Existenzminimum, so wäre den Sambiern das Handy das vergleichbar Wichtigste – gäbe es auch hier eine Sozialhilfe. cell oder mobile phones gelten sogar – oder, in Ermangelung irgendwelcher Festnetze: besonders und gerade - auf dem Lande nicht als Luxus, obschon sie gewiss immer auch ein Prestigeobjekt darstellen.
Selbstverständlich kann sich nicht jede/r ein Motorola RAZR oder gar BlackBerry leisten.Wer irgendwie kann jedoch, hat stets und ständig sein phony bei sich. Am kostspieligsten wirkt sich insgesamt dabei das Telefonieren aus; denn die Mobilfunknetze von MTN, Zain & Co. gestatten kaum Billigtelefonieren. Für viele Menschen geht so fürs Handy mehr Geld drauf als für Lebensmittel.
Ein kleines Gegenmittel ist das pagen: Es wird bloß einmal kurz angeklingelt und dann auf einen Rückruf gewartet – in voller Zuversicht, dass die oder der Angerufene schon zahlungsstärker als man selbst ist.
Ein anderer, eher gleichberechtigter Trick beim pagen besteht darin, vor dem mobilen Telefonieren die Bedeutung des Anklingelns genauer zu verabreden; beispielsweise einen Treffpunkt auszumachen, zu den sich aufs Signal hin dann beide begeben etc.
Wenn es um ganz einfache Dinge geht, lässt sich so manchmal ganz gut übers Handy kommunizieren, ohne einen Kwascha Geld auszugeben.
Klingeltöne sind dank Internet unendlich unterschiedliche zu hören. Was oft kuriose Effekte zeitigt: da erklingt in traditionell-afrikanischer Dorfumgebung Leierkastenmusik oder Jodelmusik! Oder eben der neueste US-Chart-Hit vom Handy einer jungen Frau am Cassava-Marktstand, ins Chitenge-Wickeltuch gehüllt, mit Kleinkind auf dem Rücken.


25.07.10
„Lasst das Kupfer doch in der Erde!" – im Streit um faire Anteile an Bergbauausbeute


kupfer-nuggetCTPD, das Centre for Trade Policy and Development hat seit Juli eine Folge von Diskussionsforen in verschiedenen Landesteilen durchgeführt, um öffentlich zu beratschlagen, welche Steuern und Abgaben auf den Kupferbergbau das beste Entwicklungsergebnis fürs Land bringen. Nach Hauptstadt und Copperbelt war zuletzt Solwezi im „neuen Kupfergürtel" des Nordwestens an der Reihe:
„The Mining Tax Debate: An endless Tag of War?", so hieß die Überschrift unserer teils hitzigen Diskussionen.
Im Kern geht es ums Für und Wider der Windfall Tax – einer speziellen Besteuerung unerwarteter Minengewinne aufgrund plötzlicher Höhenflüge des Kupferpreises. 2008 eingeführt, nachdem die Preise hoch schossen, aber Sambia nach wie vor wenig von den – fast ausnahmslos ausländischen – Bergwerksunternehmungen profitierte, schaffte sie die gegenwärtige Regierung wieder ab, was ein sehr gespaltenes Echo hervorrief.
In den nächsten Wochen wird CTPD die Ergebnisse der Streitgespräche in Form von Policy Briefs zusammenfassen und Empfehlungen zur künftigen Steuergestaltung zugunsten eines angemessenen Ressourcenmanagements vorlegen.



06.07.10 - Mosi-Oa-Tunya – „donnernder Rauch" über den Viktoriafällen

viktoriafaelle-sambiaWegen heroes day und unity day eignete sich dieses Wochenende hervorragend fĂĽr einen Ausflug in die auch in diesen Wintertagen herrlich warme SĂĽdprovinz.
Und gleichviel, ob per Flugzeug, zu Wasser oder zu Land: Wer sich Livingstone nähert, sieht schon aus der Ferne die typischen weißen Wolken in die Luft aufsteigen. Wie mächtige Rauchwolken steigt der Wasserdampf über den Wasserfällen in den Himmel, und beim näher Kommen hört man dann die dazu gehörige Geräuschkulisse: smoke that thunders (mosi-oa-tunya) nannten die Einheimischen das Naturphänomen der Fälle.
Ein Besuch der Viktoriafälle ist ein einzigartiges Erlebnis – jedes Mal anders. Schon die Lichtverhältnisse unterscheiden sich von Tag zu Tag.
Diesmal ĂĽberwältigten uns aber vor allem die schieren Wassermassen; erst kĂĽrzlich hatten die Fälle nämlich ihren Jahreshöchststand. 
Und auch, wer sich Regenmantel, Schirm und Sandalen ausleiht, um beim Spaziergang an den Fällen nicht nass zu werden, bleibt jetzt garantiert nicht trocken. So fühlt man sich, inmitten von Gischt und Wasser von allen Seiten, den Fällen besonders nah.
Etwas geringer mag dafür die Muße sein, in Ruhe Einzelheiten der immer wieder prächtigen Regenbögen über den Fällen oder etwa verschiedener Sturzflutgestalten zu bewundern.



05.07.10 - Witchcraft im Museum und auĂźerhalb
Hexenglaube und magisches Denken sind südlich der Sahara überall noch weit verbreitet. 40 Prozent der Afrikaner/innen glauben an witchcraft (laut PEW Forum, BBC); nicht anders in Sambia. Weil die Praktiken gemeinhin im Verborgenen ausgeübt werden, bieten sich wenige Gelegenheiten, unmittelbar Zeuge magischer Handlungen zu werden. Doch sind Hexerei und Magie als Thema andauernd gegenwärtig.
Vorhin, im Museum von Livingstone, unterhielten sich vor keinem anderen Ausstellungskasten die zahlreichen Besucher so fasziniert und erregt wie vor der Sammlung von charms und sonstigen merkwürdigsten Kultgegenständen – in der Vitrine zwischen den Abteilungen „traditionelle Heilkunde" und „Tod und Jenseits". Die wichtcraft-Ausstellungen beeindrucken sowohl im Lusakaer wie im Livingstoner Museum. An beiden Orten sprengen die Exponate gleichsam den musealen Rahmen, nicht unähnlich den kultischen Objekten einer Kirche.
Krass zeigte sich erst neulich, wie der  Hexenglaube das politische Leben beeinflusst, als das house of chiefs (Repräsentantenhaus der Oberhäupter der unterschiedlichen Volksgruppen) sehr kontrovers debattierte, ob der Staat nicht „endlich" die Hexerei anerkennen mĂĽsse, damit die Magie treibenden Ăśbeltäter „ordentlich" bestraft werden könnten. Es ist wohl als GlĂĽck zu werten, dass diese Kontroverse – vorläufig - zu keinem Schlusspunkt gelangte.
Zivilgesellschaftlichen Aufklärungskampagnen wird so rasch jedoch offenbar nicht die Arbeit ausgehen.



23.06.10 - „Business Survey": Erste umfassende Untersuchung zur Gesamtökonomie Sambias betont Wert der Subsistenzwirtschaft


Spät, aber dann richtig: Erst 2008 wurden empirische Daten erhoben, die nun allerdings eine wirklich repräsentative Grundlage abgeben, um das Profil und die Produktivität der sambischen Wirtschaft vollständig zu beschreiben.
Bei der Vorstellung der Untersuchungsbefunde – für die Studie zeichnen gemeinsam Weltbank, Regierung, Finmark Trust sowie das Zambia Business Forum verantwortlich – konnte kaum Freude aufkommen, doch zumindest haben nun alle Akteure einen klaren Blick auf die ernüchternden Wirtschaftsrealitäten im Land.
In der Tat legt der Forschungsbericht nahe, von „zwei Welten" zu sprechen, wenn man nicht nur die wenigen größeren Unternehmen betrachtet, sondern auch die vorherrschenden „Mikro, Small and Medium Enterprises" in Augenschein nimmt: „kleinste Kleinbetriebe, zumeist informell, durch Selbstunternehmer betrieben, meistens eher auf Heimarbeit gründend und auf Einkommens-schaffende Tätigkeiten ausgerichtet denn auf klar strukturierte Geschäftstätigkeit."
Dieser informelle Sektor macht zwar bloß ein Sechstel der Wirtschaftleistung insgesamt aus, bietet jedoch Beschäftigung für 88% der arbeitenden Bevölkerung. Charakteristisch sind außerdem seine landwirtschaftliche (70% Agrarproduktion) und ländliche (81% der Kleinst- u. Kleinbetriebe liegen auf dem Lande) Prägung. Es ist ein sehr stark subsistenzwirtschaftlich geprägter Wirtschaftsbereich, in dem lediglich 21% der „Betriebe" lohnbeziehende
Mitarbeiter/innen beschäftigen. In den übrigen Fällen handelt es sich um ausschließlich Selbsttätige (eventuell samt Familienangehörigen) oder Beschäftigungsverhältnisse, in denen statt Geld etwa Nahrung „bezahlt" wird.
Dass die allermeisten hier Tätigen nicht die Informalität („Schattenwirtschaft") verlassen, erklärt der Bericht als „rationale Entscheidung" – aufgrund der geringen Produktivität würde sich das Gegenteil schlicht nicht lohnen. Keineswegs gehe es um Steuerflucht, wenn nur 3% (!) der ländlichen Kleinbetriebe bei irgendeiner Behörde gemeldet sind.
Politisch interessant fallen dann schließlich auch die Wirtschaftsförderempfehlungen der Studie aus, die die „Informalität als Symptom von Problemen in der Wirtschaftsumwelt" deutet. So müssten dringend Transportwege verbessert werden (52% der informell Aktiven brauchen zwischen einer Stunde und einen Tag, um den nächsten Markt oder Kunden zu erreichen). Kreditvergaben, Finanzdienstleistungen fehlen ganz erheblich (nur 5% der informell Produzierenden haben Zugang zu Banken, 85% sind völlig ausgeschlossen von Kreditmöglichkeiten). Schlussendlich geht es um die fehlende oder schwache Infrastruktur; etwa schlicht Zugang zu Strom (6% allein der Gewerbetreibenden sind auf dem Lande elektrifiziert) und Wasser (Versorgung liegt bisher bei knapp 30%).

http://www.finmark.org.za



12.06.10 - Ergreifend schön: Stephen Robinsons Natur- & Fußballfotographien


Komme soeben zurück von einer faszinierenden Ausstellung in den Räumlichkeiten der AllianceFrançaise: Stephen Robinson zeigt dort zwei neue Fotozyklen, „Luangwa Wild" mit Panoramaaufnahmen aus dem Luangwa Tal und „The Beautiful African Game", eine ganz außerordentliche Bildreihe zu Fußball spielenden Kindern.
Stephens Fotobegeisterung sprang vorhin sofort ins Auge, konnte er doch selbst in seiner eigenen Ausstellung kaum aufhören, Szenen durch den Sucher seiner Kamera zu mustern – und wohl auch aufzunehmen. Er erzählte, wie er in den 70er Jahren als Safari-Begleiter Touristen zu Fuß durch den Luangwa Nationalpark führte, und so seine Liebe für die sambischen Naturlandschaften entstand. Tatsächlich ist es den Bildern anzumerken, dass sie
ein groĂźer Kenner, Sambiafreund und Naturliebhaber gemacht hat.
Die panoramaweiten Landschaftsfotos unter dem Titel „Luangwa Wild" fangen viel Unverwechselbares ein wie dieses typisch warme Nachmittagssavannenlicht; Vogelschwärme über den Flussläufen, Elefantenherden im Schatten hoher Bäume. Zugleich überraschen
Stephens Bilder immer wieder als Augenblicksaufnahmen, die Momente und Landschaften zeigen, wie wir sie noch nie gesehen haben. Fotos von ergreifender Schönheit.
In einem trefflichen Kontrast, passend zur WM-Zeit, atmen dann die Fotos der Fußball spielenden Kinder einen ganz anderen Geist; sie zeigen ihren Zusammenhalt, kindliches Heldentum, die Hingabe ans Spiel, aber auch pure Akrobatik der Dorfjungs aus der sambischen Südprovinz, wenn sie – leichtfüßig, in Plastikschlappen - von einem flachen Felsen aus irrwitzige Saltos machen.

Diese Bilder ziehen so in ihren Bann, dass man am Ende nur noch still davor steht, schaut und staunt – über „the Beautiful African Game".

www.spirit-of-the-land.com



05.06.10 - Ambivalentes Jubiläum: Kariba-Staudamm wird 50


Nicht zufällig ist Sambia nach einer mächtigen Wasserader, den Sambesi, benannt; angesichts seines Reichtums an Flussläufen, Seen und überhaupt Niederschlag, erscheint das Land prädestiniert für die Versorgung aus regenerativen Energien.
Tatsächlich stammt beinah die gesamte Stromgewinnung aus Wasserkraft; allerdings sind auf dem Lande auch höchstens 4 Prozent der Haushalte elektrifiziert. Der Bedarf scheint rascher zu steigen, als die Versorgung zunimmt.

Zweischneidig, kaum vorbildlich, gestaltete sich die Entstehung des damals größten Stausees und Damms; so sehr er für erneuerbare Energienutzung steht, so sehr steht der Kariba-Damm zugleich doch für Natur- und Kulturzerstörung. Eine lokale Sage – Tongamythos des Flussfelsens Nyaminyami – hatte das bereits prophezeit.

Beide Anrainerländer des Staudamms, Simbabwe und Sambia, Nord- und Südrhodesien, waren noch britische Kolonien, als Queen Elizabeth II. im Mai 1960 zur feierlichen Eröffnung die Generatoren anwerfen ließ. Vorausgegangen waren seit 1956 Bauarbeiten, die damals als technisches Glanzstück galten, trotz der 86 Todesfälle, die Arbeitsunfälle forderten. Am Ende stand jedenfalls eine Staumauer von gut 600 Metern Breite, 130 Metern Höhe und 13 (oben) bis 26 (unten) Metern Durchmesser.
Doch die eigentlichen Opfer des künstlichen Stausees waren nicht nur die einheimischen Tonga – 57.000 Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt. Sie verloren ihre fruchtbaren, traditionsträchtigen Dörfer und Orte, und kommen doch bis heute kaum in den Genuss der technischen Errungenschaften – Elektrizität (geht direkt nach Lusaka) und Tourismus (Investoren kommen von außerhalb). (In der Kleinstadt Choma informiert heute ein sehenswertes Museum übrigens über die Geschichte der Tonga.)

Auch ließen zahllose Wildtiere im Gebiet des gefluteten Flusstals ihr Leben. Glücklicherweise gab es hier zumindest etwas Linderung – durch die „Operation Noah", die als größte Tierrettungsaktion der Welt gilt. Ein Kreis um den Wildhüter Rupert Fothergill schaffte es damals, so viele Freiwillige zum Mittun zu bewegen, dass es ihnen gelang, 4500 bis zu 6000 Tiere zu retten; darunter Elefanten, Büffel, Nashörner, Löwen, 585 Warzenschweine, 47 Stachelschweine, Hyänen.

Wer heute fasziniert auf dem Kariba-Damm steht und hinab blickt, zumal wenn der Seewasserstand die Schleusen zu öffnen gestattet, so dass man die Wassermaßen hinabstürzen sieht, ahnt nichts mehr von der so zerstörungsvollen Entstehung. Der Karibasee schaut ganz natürlich aus.
In der Tat lohnt es sich, ihn von Siavonga aus besuchen zu kommen.



25.05.10 - Afrikatag

Andere Länder, andere Sitten – und andere Feiertage. Am 25. Mai jährt sich die Gründung der Afrikanischen Union (AU), was stets mit einem Feiertag begangen wird. Kurioserweise findet das Hauptevent in New York statt in Afrika statt. Aber dafür schaut ja in wenigen Wochen alle Welt auf Afrika: Am 11. Juni wird schließlich das erste Turnier der Fußball-WM angepfiffen.

http://www.africaday.info/




15.05.10 - Baptism: Ungewohnter Schwimmbadbesuch

An Swimming Pools besteht für Sambiagäste kein Mangel, wenn sie in einer der Lodges oder Hotels absteigen; mal abgesehen von den Nationalparks. Auch jede zweite Villa, in den reicheren Vierteln Lusakas, hat ein kleines Schwimmbecken im Garten. Rar jedoch sind öffentliche Bäder.
Neugierig fuhr ich heute Morgen also erstmals zum städtischen Olympia-Freibad. Halb Zehn war es zwar etwas frisch, aber nicht zu kühl.

An der Kasse bezahlte ich 8.000 Kwascha Eintritt, wollte schon weiter zur Umkleidekabine, da ging ein Mann im schwarzen Anzug, mit einem Buch unter seinem Arm, am Kassenhäuschen vorbei: „Good Morning, I come for baptism." Wie?
Als ich, fertig zum Schwimmen, ans Becken kam, war meine Verblüffung perfekt: Rings ums gr0ße Becken standen oder saßen circa hundert Frauen, Männer, Jungen und Mädchen in gediegener Feiertagskleidung, viele mit Bibel in der Hand, und schauten aufs leere Wasser.
Aus mehreren Lautsprechern tönte Gospelmusik.
Da stand ich also, in Badehose, zwischen all den andächtig, offenkundig zu einer religiösen Handlung Versammelten. Ja, baptism, dachte ich.
Während immer weitere Gemeindemitglieder zum Schwimmbecken strömten, sprang ich rasch ins Wasser und zog meine Bahnen – als sei das ganz normal.
„Halleluja" hallt es aus den Boxen.
Unter den aufmerksamen Blicken der Kirchengemeinde schwamm ich durch das lange Becken. Schwankte innerlich, wer hier eigentlich fehl am Platze war: der Gottesdienst im  Schwimmbad, oder der weiĂźe Schwimmer im Gottesdienst?
Nach einer Viertelstunde hatte ich genug und verlieĂź das Wasser sowie die auf ihre Feier wartende Gemeinde.
Von der Umkleide aus hörte ich, wie der Pfarrer die Versammelten anwies, am Beckenrand zusammenzurücken: „Then we sing as if it was our last day!"
Am Ausgang erklärte mir der Bademeister, dass die Seventh Day Adventist Gemeinde  ihren Gottesdienst immer samstags, jedoch nicht immer hier feiere.



11.05.10 - Internationale Demokratieförderung durch die Zambian Governance Foundation


Die Frist läuft in KĂĽrze ab:  Wenige Tage bleiben bĂĽrgerschaftlichen Vereinigungen noch, die sich in Sachen Rechtsstaat oder Good Governance engagieren, um ihren Förderantrag bei der internationalen Zambian Governance Foundation. Seit einigen Monaten greift diese auch von deutscher Seite unterstĂĽtzte Institution gezielt jenen Organisationen unter die Arme, die entweder schon ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben, oder aber durch entsprechende Konzeptpapiere belegen, dass sie das Zeug haben, um einen positiven Unterschied fĂĽr die politische Landschaft und Entwicklung Sambias zu machen (siehe unten, Stichwort Wahlbeobachtung).
Ebenso spannend wie die Erprobung dieser neuen Förderungspraxis wird es, zu beobachten, wer in diesem zweiten Durchgang das „Rennen" machen wird.



06.05.10 - NGOs kritisieren von Gewalt ĂĽberschattete Nachwahlen in Mufumbwe

Sambier sind zu Recht stolz darauf, dass ihr Land überaus friedlich ist. Wenige andere Länder in Afrika verzeichnen so wenig gewaltsame Kriminalität.
Was also hier eine Seltenheit darstellt, hat sich vergangene Woche dann doch ereignet:
Nachdem sich schon bis zum Wahltag sowohl der Präsident wie auch der wichtigste Herausforderer gegenseitig heftig als „blutrĂĽnstiges Monster" sowie „vom Teufel besessen" beschimpft hatten, ging auch die Parlamentsnachwahl im eigentlich sehr  ländlich-ruhigen Wahlkreis von Mufumbwe (Nordwest-Provinz) nicht ohne heftige Gewalt ab. So trat das Ergebnis – Ende der MMD-Mehrheit – hinter die Berichte ĂĽber die Ausschreitungen völllig
zurück. Wahlkämpfer beider Parteien (MMD und UPND) sowie mehrere Polizisten erlitten teils schwere Verletzungen. Mehrere Kirchen wurden in Brand gesteckt; Autos beschädigt. Schließlich kamen in Autounfällen zwei Menschen zu Tode. Zeitungen druckten blutige Opferportraits ab.
Heute nun legten CARITAS, Anti-Voter-Apathy-Project (AVAP) und die leider staatlich unter enormen Druck gesetzte Vereinigung SACCORD
die Ergebnisse ihrer Wahlbeobachtungen vor - und zumindest diese Kritik aus der Mitte der Zivilgesellschaft macht Mut.
Unparteiisch, ausgewogen, sorgfältig recherchiert und analyisiert – so präsentieren die drei Nichregierungsorganisationen ihre Beobachtungen und
Schlussfolgerungen. Vor allem die politischen Parteien selbst werden ermahnt; die Regierungspartei zumal, da sie nicht sauber zwischen Partei- und Regierungsgeschäften getrennt habe. Nicht nur, dass es im Wahlkampf an Inhalten  gefehlt habe, sondern vor allem die „unzivilisierten" gegenseitigen Anfeindungen werden kritisiert. Die Wahlbeobachter pochen auf Einhaltung des electoral code of conduct. Eine unabhängige Kommission soll die
Vorfälle in Mufumbwe aufklären, bei denen angeblich sogar Lusakaer Parteikader als Polizisten verkleidet für Unruhe gesorgt und Wähler/innen eingeschüchtert haben.

Zwar schreiben die regierungsamtlichen Tageszeitungen, dass die Vorkommnisse, einschlieĂźlich der schon im November ebenfalls zu Ungunsten der herrschenden MMD ausgegangenen Nachwahlen im „kosmopolitischen" Wahlkreise von Solwezi, keine Verallgemeinerungen fĂĽrs kommende Jahr zulieĂźen. Die Mufumbwe-Vorfälle werden jedoch ernst genommen, steht doch 2011 vor der Präsidentschaftswahl ein gesamtsambischer Wahlkampf vor der TĂĽr, weshalb die Angst aufgekommen ist, dann landesweit ähnliche  Ausschreitungen und Machenschaften erwarten zu mĂĽssen.




03.05.10 - Kuomboka-Zeremonien 2010: Verloren im dress code alter Traditionen


Zu den besonderen, quicklebendigen Schätzen Sambias gehören die traditionellen Zeremonienfeiern (traditional ceremonies). Vielfältig wie die rund 70 Sprachen des Landes, werden sie jährlich in allen Provinzen begangen; spektakulär zumal im Westen und Nordwesten.
Eine der prächtigsten Zeremonienfeiern ist die Kuomboka Ceremony in Mongu, Mittelpunkt des alten Barotse-Königreiches; Heimat der Lozi.
Die Kuomboka-Feier markiert hier stets, gegen Ende der Regenzeit, den Umzug des Königs und seiner Leute von den Bulozi-Flussebenen des Sambesis zu den höher gelegenen Wohnstätten.

Ăśberraschend bot sich dem Publikum diesmal indes ein ganz und gar nicht traditioneller Blickfang: das Staatsoberhaupt im weiĂźen Barett. (http://www.xtremezambia.net/articles/122-news-and-society/676-rupiah-surprises-people-with-white-beret-at-kuomboka)

Obwohl es Losi-Sitte ist, unbedingt ein rotes Barett zu tragen, erschien Präsident Banda mit baumwollweißem Haupt – was große Heiterkeit, in Mongu und bis in die Hauptstadt auslöste.
Denn die Symbolik dieses un- oder anti-tradtionellen Kleidungsstücks (ja, die Farbe seiner Schirmmütze) hat es in sich – für Sambier. Wider den Ansinnen des Staatschefs – nämlich jede Ähnlichkeit mit einer regierungskritischen Bewegung im Copperbelt zu vermeiden, die sich ausgerechnet mit roten Kappen kleidet, – verfing sich die Wahl des Hutes gleichsam im dress code der Barotse-Traditionen. Diesen zufolge, so höre ich von Kebby aus Mongu, sind
weiße Baretts nämlich ausschließlich den ordentlichen Totenwächtern der Losi vorbehalten.
Nun lachten viele Kuombokagäste, dass der Präsident zum Todesboten seiner eigenen Regierung mutiere. Und das inmitten des beginnenden Wahlkampfes, der sich bis weit ins Jahr 2011 hinziehen wird. Man kann sich die Aufregung auf allen Seiten vorstellen.



27.04.10 - Strittig statt harmonisch: EPA-Verhandlungen mit EU sorgen weiter fĂĽr Zwist

„Re-Kolonialisierung Afrikas oder Entwicklungsgelegenheit?" - überschrieb CTPD dieser Tage seine Diskussion zu den nach wie vor nicht ausgehandelten „wirtschaftlichen Partnerschaftsabkommen" (Economic Partnership Agreements, kurz: EPAs). EU-Kommissionsvertreter Aloysius Lorkeers hat einen schweren Stand.

Eigentlich hätten die seit 2002 verhandelten Abkommen längst unter Dach und Fach sein sollen: Dezember 2007 sah der ursprüngliche Fahrplan dafür vor. Nun peilen die Verhandlungsparteien EU und AKP-Staaten (Afrika-Karibik-Pazifik-Ländergruppe) Ende dieses Jahres an. Die EPAs sind seit dem Jahr 2000 geplant, als das Cotonou-Abkommen in Kraft trat (http://europa.eu/legislation_summaries/development/african_caribbean_pacific_states/r12101_de.htm); Handel und Entwicklung betrifft es gleichermaßen (http://de.wikipedia.org/wiki/Cotonou-Abkommen). Nötig wurden die EPAs, weil mehrere Länder angefochten hatten, dass die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und AKP-Ländern nicht im Einklang mit den übergeordneten Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) seien.

Das Fristende rückt näher, die umstrittenen Abkommen mit der EU zu einem Abschluss zu bringen - wenn Länder wie Sambia das wollen. Die öffentliche Meinung sieht am Abend der Podiumsdiskussion nicht danach aus; im Gegensatz zur Regierungsposition.

Lusaka steht bei den EPA-Verhandlungen der ESA-Staatengruppe (East and Southern Africa) vor. Dieser Regionalzusammenschluss ist eine von insgesamt sechs Ländergruppen, und so sollen sechs gesonderte Abkommen abgeschlossen werden. Ziel ist es, die regionale wirtschaftliche Integration zu stärken, Handelsbarrieren zu beseitigen, Wirtschaftswachstum zu fördern.

Auch viele Polit-Aktivisten in Europa kritisieren seit Jahren, die EPAs brächten Schäden fĂĽr die afrikanische Lebensqualität, wenn man arme Länder dazu zwingen wĂĽrde, ihre Zölle auf Produkte aus Europa anzuheben. Die Handelsabkommen, welche die EU den Entwicklungsländern aufzwingen wolle, wĂĽrden ĂĽberlegenen europäischen Unternehmen uneingeschränkten Zugang etwa zu den afrikanischen Märkten bereiten, und damit die lokalen Industrien zerstören. Die EU argumentiert, dass es bereits dem bisherigen Rahmen nicht gelungen sei, Entwicklungen herbeizufĂĽhren. Die neuen Partnerschaftsabkommen wĂĽrden den AKP-Staaten helfen, stärkere Volkswirtschaften und regionale Märkte aufzubauen, und somit den lokalen Unternehmen mehr Möglichkeiten verschaffen, Sicherheit aufbauen und neue Investitionen herbeifĂĽhren. Während klarer Ăśbergangsphasen werde die EU  technische und finanzielle UnterstĂĽtzung leisten.

Hitzige Wortwechsel beherrschten derweil die EPA-Diskussion im Mulungushi-Konferenzzentrum von Lusaka. Zwar beharrte niemand darauf, dass die Abkommen tatsächlich einer erneuten Kolonialisierung Afrikas gleichkommen. Aber enormes Misstrauen wurde deutlich. Wie könne man der Kommission über den Weg trauen, die EU sei doch kein Wohltätigkeitsverein; ihr Eigeninteresse sei schlicht, billig an Afrikas Rohstoffe ranzukommen. Wieso sonst finanzierten die Europa diese aufwendigen Verhandlungen! Afrika gebe bloß den Kampfplatz ab für die Wirtschaftsriesen des Nordens, für Indien, USA, China und Europa. Die EPAs seien allenfalls ein „Psycho-Gimmick".
Differenzierter der Standpunkt von Humphrey, der für Handelspolitik zuständig ist beim Jesuit Centre for Theological Reflection (JCTR http://www.jctr.org.zm/), einer der CTPD-Mitgliedsorganisationen. Seiner Meinung nach fördern die EPAs nur dann die dringend notwendige Entwicklung, wenn sie über Güterhandel hinausgehen, also auch Dienstleistungen umfassen, und zum Anderen einschneidende institutionelle Reformen umfassen. Ohne solche profitierten ausschließlich die ohnehin Begünstigten im von zunehmender Ungleichheit gezeichneten Sambia.
Das Thema EPAs wird CTPD wohl noch eine Weile intensiv befassen, ist es doch offenkundig ein Kernpolitikum in der Auseinandersetzung ĂĽber gerechten Handel in der Welt.


22.04.10 - Auswirkungen der Vulkanasche aus Island

Soweit Europa normalerweise entfernt scheint, so nah kam es diese Woche wegen der gewaltigen Aschewolke, die den ganzen Flugverkehr zusammen brechen lieĂź. Als ob Islands Vulkanasche bis nach Lusaka flog.
Savior Mwamba, der Direktor des CTPD, etwa sorgte sich bis gestern, seiner lang geplanten Einladung nach Brüssel nicht nachkommen zu können. Endlich nun: die Entwarnung!

Weil manche ranghohen Richter aufgrund der Vulkanwolke an Europas Gestaden gestrandet waren, musste dagegen zum Beispiel die Berufsvereinigung der Juristen ihre Jahrestagung auf Unbestimmt verschieben. Eine OECD-Mission zur Begutachtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Sambia musste fast abgesagt werden – schließlich konnte jedoch eine norwegische Vertreterin anreisen und den Auftrag ausführen.
Sambische Klagen wurden indes laut, weil die – einzige direkte – EU-Flugverbindung nach London (British Airways) fĂĽr mehrere Tage unterbrochen war, Ausfallkosten von 13.000 Dollar sind nun ein groĂźes Thema - sowenig robust ist die Wirtschaft. 

Verluste aufgrund ausgefallener Flüge betrafen weltweit besonders die Reisebranche. Die lokale Tageszeitung „The Post" zitiert einen TUI-Sprecher, der den Schaden auf 30 Millionen US-Dollar beziffert. Auffälligerweise erwähnt der Artikel gar keine Negativwirkungen für den sambischen Tourismus – entweder übertrifft das Mitgefühl für die Europäer diese Inlandssorge oder – was wahrscheinlich ist - die Verluste scheinen so gering, dass man sie vernachlässigt. (Die Hauptreisewelle wird dieses Jahr ohnehin erst im Anschluss an die Fußball-WM, also ab Juli erwartet.)


16.04.10 - "Stand up 2010“: NGOs forcieren Kampagne zu MDGs

Eher zufällig, weil alte E-mail-Verteiler noch meine E-mail-Adresse enthielten, obwohl ich ja längere Zeit auĂźer Landes war, kommt eine Workshopeinladung - die sich als kleiner GlĂĽcksfall meiner ersten Arbeitswoche entpuppt. UN-Milleniumkampagne (http://www.un-kampagne.de/) sowie die Initiative Global Call against Poverty (GCAP)   (http://www.whiteband.org) laden zum Strategieratschlag; rund 20 AktivistInnen verschiedenster Organisationen geben sich ein Stelldichein. Es macht spĂĽrbar, welche Ermutigung von internationalen BĂĽndnissen ausgehen kann. Gut möglich, dass die zivilgesellschaftlichen Akteure in Sambia, geeint durch die MDG-Kampagne, erneut enger zusammen rĂĽcken werden – zumindest fĂĽr 2010.

Zwar wollen die Nichtregierungsorganisationen wie jedes Jahr eine möglichst kritische Masse politisch Engagierter zur Vorbereitung des Welttags gegen Armut am 17.  Oktober 2010 (http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Tag_fĂĽr_die_Beseitigung_der_Armut)  mobilisieren. Diesmal kommt allerdings ein Umstand hinzu, welcher der Kampagne eine besondere Bedeutung verleiht - die größte UN-Konferenz seit dem Millenniumsgipfel im Jahr 2000: Die Staats- und Regierungschefs der UN-Mitgliedsstaaten treffen sich nämlich im September zum High-Level-Meeting in New York, und zwar um die Umsetzung der MDGs zu ĂĽberprĂĽfen.

Wie hierauf Einfluss zu nehmen sein wird und sich zugleich der Stichtag als Ansporn zur Werbung für die MDG-Politik im Heimatland nutzen lässt – darüber also debattieren beim Strategietreffen einige der wichtigsten NGOs in Sambia; jetzt, wo nur noch fünf Jahre zur Zielerreichung bleiben.

Vor zehn Jahren hatten die Staatschefs auf dem New Yorker Millenniumsgipfel versprochen, extreme Armut und Hunger bis 2015 gemeinsam zu bekämpfen. Viele sehen die Konferenz im September nun als letzte Chance, die schleppende Umsetzung der MDGs zu beschleunigen – oder ĂĽberhaupt ein Scheitern zu verhindern.  Dies nimmt man augenscheinlich so auch in Lusaka wahr.


12.04.10 - Ankunft in Lusaka

Wie erfrischend: Sobald wir sambischen Boden betreten, setzt ein leichter Nieselregen ein (die Regenzeit ist also noch nicht völlig vorbei). Es ist sehr warm in Lusaka, und er tut richtig gut nach 17 Flugstunden.

Unser Ethiopian-Airways-Flugzeug landete am Ende mit nur einer Stunde Verspätung, was uns fast wunderte – nach immerhin drei Zwischenstopps in Rom, Adis Abeba und Harare.

Die gefühlte Flugdauer betrug zwei ganze Tage. Verglichen mit der Afrikaanreise eines Armin Hollensteiner (DFB-Blog: http://www.dfb.de/index.php?id=509804), verging die Zeit natürlich wie im Fluge. Denn Hollensteiner brach schon vor einem Monat auf, um erst im Juni zur WM in Südafrika anzukommen – allerdings per Geländefahrzeug von Bielefeld aus.

Von Italien aus waren mehrere Geistliche mit nach Äthiopien geflogen; einer der Kirchenleute befand sich rasch im Gespräch mit einer fließend Italienisch sprechenden Deutschen – unterwegs zu Karlheinz Böhms Hilfseinrichtung „Menschen für Menschen“.

Ich genoss derweil - ganz profane - kurios-schmackhafte Anregungen, über europäisch-afrikanische Handelsbeziehungen nachzugrübeln; konfrontiert mit Ethiopian Airlines` Speisenauswahl, bestehend aus u.a. Syrah-Wein aus Frankreich (Mondeville), Kräcker, „Bayrische Brotzeit“ (Schmelzkäse) sowie „Italian Dressing“ aus Deutschland und Butter aus Dänemark. Hoffentlich stammte zumindest der Kaffee aus seinem afrikanischen Herkunftsland!